Zwanie Jonson

Auf einmal steht da ein Mensch neben dir. Unvermittelt, kam einfach so aus dem Nichts. Guckt wie du in das Schaufenster, ohne Worte wechseln zu wollen. Wollte nur mal schauen. Drinnen stehen Klaviere, Flügel und sowas, diese Fachgeschäfte für klassische Instrumente gleichen auch eins dem anderen: Immer luftig, weiß, geräumig. Logisch, die Artikel im Sortiment sind ja auch nicht gerade klein. Aber immer diese Wendeltreppen ins Hochparterre, da ist vermutlich der Vorspielraum.
    Dann drehst du dich um und gehst in die Nacht. Die Unterführung, die Straßen, die Plätze, alles genauso leer wie dein Kopf. Die Leere treibt dich nach Hause, ans Wasser, aufs Schiff. Klar, das gibt es nur in Hamburg. Dieses sich-verlieren-in-der-Stadt mit gleichzeitigem ankommen-da-wo’s-warm-ist,-zuhause-bei-der-Familie-nämlich.

    Ankommen geht auch gut mit Zwanie Jonson. Sagt Stefan Kozalla, sagen wir. Letzteren kennt ja jeder, DJ Koze, Adolf Noise, Rammelwolle, na klar! Der macht seit einiger Zeit Hoobert, eigenes Label. Zwanie Jonson kennt man jetzt nicht unbedingt. Hamburger vielleicht, oder Touristen, Auskenner auch, oder einer von den 380 friendgrabbern auf MySpace. Der kleine Rahmen sollte nicht abschrecken, nach oben ist ja alles offen. Sollte man also mal kennenlernen, Zwanie und seine Stimme. Ist zwar so’n bisschen cheesy, aber gut cheesy, sanft und beschwichtigend. Dazu so große Themen wie Liebe und … Ja, Liebe, aber das verbunden mit Handwerk, Erfahrung und Routine, eingerahmt von oppulenter Instrumentierung. Im Video zu »Sweater Day« huscht die Gitarre eher dezent über das Bild, säuselt Zwanie mehr vor sich hin, was aber keineswegs negativ verstanden werden darf. Es hat etwas leichtfüßiges, ungewohnt mildes, das die Regisseure von Aktion Direkt und Kameramann Manuel Mack da in mehr Kurzfilm- denn Musikvideo-Format inszeniert haben. Dazu gehört das Breitband-Bild ebenso wie das stete Aussetzen des Songs – des Produkts, wohlgemerkt! -, das Hervorkehren der Stadt und der Menschen und die dezente Verwendung der Musik als Stimmungsträger. Sollte man sich mal genauer ansehen. Könnte nämlich ziemlich gut werden!

VIDEO: Zwanie Jonson – Sweater Day

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