Woodkid in Hamburg

Woodkid in Hamburg FOTO: Robin Hinsch

Woodkid in Hamburg   FOTOS: Robin Hinsch

Golddigger Woodkid kam auf Tour, um eine Show zwischen Priestertum und Jackass aufzuführen. Ein Abend in Worten und Bildern.

»We drank a lot and did really dirty things during the past three years on the road«, sagt der kleine Mann mit Bart, Cap, Alltagskluft und französischem Akzent. Der Satz ist ob der Rock’n’Roll-Assoziation irgendwie unpassend, denn die O2-World Hamburg wirkt am heutigen Abend eher wie die romantisierte Utopie einer mittelalterlichen Kathedrale mit den Ausmaßen einer Arche Noah. Yoann Lemoine aka Woodkid steht auf der Bühne wie ein kauziger Priester.

Mal verharrt er unbeweglich vor dem Mikrofon, an dem er sich festzuhalten scheint, um nicht in die Abgründe all der erwartungsvollen Seelen zu fallen, dann wieder steigt er auf das Podest zwischen seinen zwei Percussion-Kriegern. Lemoine breitet die Arme aus und dirigiert die Klänge donnernder Pauken, schmetternder Marschtrommeln und Unisono-Flächen von Streichern und Bläsern bis unter die Gewölbedecke. Das Konzert ist vielmehr eine multimediale Show, eine Visualschlacht, ein bombastischer Fantasy-Film in schwarz-weiß. Sonnenauf- und untergänge über samtweichen Oberflächen tiefschwarzen Wassers, Gebirge und Galaxien, Schweiß und Blut und Tränen. Die Musik triggert Faszinationen für mystische Parallelwelten à la Herr der Ringe und den Pathos staunender Beobachtung von Naturgewalten jeglicher Art.

So scheint es jedenfalls den schwarzhaarigen, gepiercten Fans mit den dunkel geschminkten Augen zu gehen. Am Ende der Halle haben die schicken Typen Sektgläser in der Hand. Fresh, jung, erfolgreich. Sie sehen auf der Bühne wohl eher die erfolgreiche Vermarktung eines gut platzierten Produkts, den Auftritt eines Glücksritters aus der Werbebranche. Denn Woodkid hat seine Musik erfolgreich in Vodafone-Werbungen platziert, dem Trailer eines beliebten und ambitionierten Videospiels einen musikalischen Aufhänger verpasst, Kris Van Assche von Dior zu einer Kollektion inspiriert und mehrere Advertising-Awards abgeräumt. Er ist ein 29-jähriger Golddigger und damit Vorbild einer ganzen Generation slicker Typen.

Der kleine Mann auf der Bühne hat jedenfalls Spaß an seinem Leben. Lemoine feiert seine Musik, springt seinem Keyboarder auf den Rücken, hüpft von einem Bühnenende zum anderen und hat zwischen den monströsen Soundbauten seiner Kreation Woodkid immer wieder ein paar Worte in übermütiger Jackass-Manier auf den Lippen, hier, inmitten dieser übergroßen Spielhalle.

Woodkid in Hamburg FOTO: Robin Hinsch

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