White Wine „Killer Brilliance“ / Review

Cineastische Soundscapes, scharfe Kontraste, lange Schatten – Killer Brilliance klingt wie ein schauriger Experimentalfilm, von dem lediglich die Tonspur übrigblieb.

„The rules keep changing, same with behavior / What was once the devil can now be the savior“. Resigniert hört sich das an, was Sänger Joe Haege im Titelstück „Killer Brilliance“ feststellt. Kaum mehr als ein Jahr ist vergangen seit dem Vorgänger Who Cares What The Laser Says. Die Republikaner haben in den USA inzwischen den Wahnsinn bekommen, den sie immer wollten, so wie Haege es im März letzten Jahres gegenüber SPEX prophezeite.

Er, Fritz Brückner und Christian Kühr haben die Zeit mit ausgiebigem Touren verbracht, und, da Stillsitzen so gar nicht Haeges Ding ist, gleich noch ein neues Album aufgenommen. Killer Brilliance ist düsterer, direkter und aggressiver geworden. Hatte ihre letztjährige Dystopie noch die sympathische Note von Chaos und Exzentrik, sind heute die Kontraste schärfer, die Schatten länger, ist die Einsicht in die menschliche Verdammnis klar und unerträglich. Übersetzt in das sich aufdrängende Terry-Gilliam-Universum heißt das: War 2016 noch Brazil, sind wir 2017 schon bei 12 Monkeys angekommen. Denn in einer Sache bleibt sich die Band treu: Ihre Soundscapes sind durchweg von cineastischem Ausmaß. Killer Brilliance verstärkt den Eindruck mit Einspielern verschiedensprachiger Erzählerinnen, die das Album einrahmen. Sie lassen unweigerlich an das letztjährige Album von Phoebe Killdeer & The Shift denken, das wie ein schauriger Experimentalfilm klingt, von dem lediglich die Tonspur übrigblieb.

War 2016 noch Brazil, sind wir 2017 schon bei 12 Monkeys angekommen.

Es liegt bei White Wine aber auch an der Instrumentierung, dass man sich in ihren Alben wie in einem Soundtrack wähnt. Brückners Fagott etwa. Sorgte es auf der wilden Momentaufnahme Who Cares What The Laser Says noch für beschwingte Zirkuszelt-Atmosphäre, wird es auf Killer Brilliance pointiert eingesetzt, durch allerlei Effektgeräte getrieben – und unterstreicht letztlich die Thrillerstimmung. White Wine wirken nach einem stürmischen Jahr sortierter und strukturierter. Das tut ihnen gut. Wenn das Resignation ist, dann die produktivste seit langem.

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