Reisegruppe Saarland: Datashock

Vier Institutionen der Pop- und Gegenkultur schmeißen in Leipzig für eine fette Geburtstagssause zusammen. Mit von der Partie: Exploded View, Von Spar mit Ada und Hendrik Otremba. SPEX gratuliert und verlost Tickets.

Rick McPhail nannte den Ort das »Loveboat von Sachsen«, als Tocotronic im Frühjahr dieses Jahres auf ihrer Pädagogisch-Wertlos-Tour Halt im Leipziger Conne Island machten. Dass Leipzig als Insel der Glückseligen aus dem sächsischen Sumpf aus dumpfem Fremdenhass und rassistischer Gewalt heraussticht, hat auch viel mit diesem selbstverwalteten soziokulturellen Zentrum und der Szene, die es um sich schart, zu tun. Gegen alle Widerstände, seien es die Neonazi-Überfälle im Viertel in den 90er-Jahren und der jüngsten Vergangenheit, die Überwachung durch das Sächsische Landesamt für Verfassungsschutz oder drohende Insolvenzen, etablierte sich das Conne Island als Ort linker Selbst- und Positionsbestimmung und ganz nebenbei auch noch als eine der besten Konzert- und Partylocations der Stadt. Man hat also jedes Recht dazu, sich zum 25. Geburtstag selbst zu feiern. Und weil das alleine nur halb so viel Freude bereitet, wurden Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter gleich eingeladen mitzufeiern.

Das Leipziger Label Altin Village & Mine wird in diesem Jahr 15 und schließt sich folgerichtig den Feierlichkeiten an. Dass bei diesem Laden Menschen mit exzellentem Musikgeschmack am Werke sind, macht allein die Liste der in den letzten zwölf Monaten auf Altin Village & Mine veröffentlichten Alben deutlich: Die Goldenen Zitronen – Flogging A Dead Frog, Skeletons – Am I Home?, Phoebe Killdeer & The Shift – The Piano’s Playing The Devils Tune, Deerhoof – The Magic. Noch Fragen?

Die anderen beiden Geburtstagskinder haben zwar keinen Runden zu feiern, fügen sich aber trotzdem perfekt in die Runde. Da wäre zum einen die linke Wochenzeitung Jungle World, vor 19 Jahren aus einem Streik bei der Jungen Welt hervorgegangen. Seitdem hat sie sich den Ruf einer linken Nachrichten- und Debattenplattform abseits von bürgerlicher Anbiederung und parteiischem Dogmatismus aufgebaut. Zudem hat sie sich auch im Bereich der Popkultur einen Namen gemacht: Wichtige popkulturelle Debatten werden hier verhandelt, verdiente SPEX-AutorInnen wie Sonja Eismann, Klaus Walter oder Diedrich Diederichsen schreiben oder schrieben für das Blatt. Die fortlaufende Popkultur-Anthologie testcard wird in diesem Jahr 26. Mit großer Hingabe laboriert man hier weiter an den großen Fragen der 90er: Musik, Film, Kunst, (Linke) Pop- und Subkultur aus einem akademischen, Cultural Studies-eingefärbten Blickwinkel. Nicht ganz unähnlich der SPEX also, wenn auch in einem völlig anderen Rhythmus: Seit der ersten Ausgabe 1995 ist man inzwischen bei Nummer 24 angekommen.

25, 15, 19 und 26 macht also zusammen 85 Jahre. »Und wenn ein Label, ein Subkultur-Hort, eine linke Wochenzeitschrift und ein Popkultur-Reader zusammenschmeißen, dann gibt es nicht nur Eierlauf.« Besser als die Labelmacher von Altin Village & Mine in ihrer Ankündigung kann man das zugehörige Party-Vorhaben nicht zusammenfassen. Auftreten werden bei der Sause unter anderem Exploded View, die neue Band von Annika Henderson alias Anika, die wie die Faust aufs Auge zu ihrem Label Sacred Bones passt und in der aktuellen SPEX N° 370 ausführlich vorgestellt wird. Außerdem mit dabei: Die Kölner Krautkollegen Von Spar, die Sonja Matuszczyk vor einem Jahr in den Berliner Hansa-Studios besuchte. Sie bestreiten ihren Auftritt zusammen mit AdaDatashock dagegen kommen zwar aus dem Saarland, klingen aber eher wie eine »kosmische Karawane« from outer space.

Das Literaturprogramm bestreiten Jonas Engelmann, Co-Herausgeber des Ventil Verlags und von testcard, und Hendrik Otremba. Engelmann liest aus dem von ihm herausgegebenen Buch Damaged Goods. 150 Einträge in die Punk-Geschichte, das anlässlich des 40. Jubiläums von Punk (schon wieder ein Geburtstag!) zentrale Alben der Punk-Geschichte betrachtet. Otremba, seines Zeichens Messer-Sänger und SPEX-Autor, liest aus seinem Debütroman Über uns der Schaum. Zum Abschluss legt Map.ache auf, Co-Founder des Leipziger Techno- und House-Kultlabels Kann Records und (wenn es dort überhaupt so etwas gibt) Conne-Island-Resident. Alle weiteren Infos und Tickets gibt es hier.

SPEX verlost 1×2 Tickets für die Geburtstagsfeier. Einfach bis zum 5. September eine Mail mit vollständigem Namen und dem Betreff »Geburtstag« an gewinnen@spex.de schicken.

85 Years Together: Altin Village & Mine + Conne Island + Jungle World + Testcard
09.09. Leipzig – Conne Island


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