Review, Stream & Tour: Vex Ruffin Vex Ruffin

Vex Ruffin

VEX RUFFIN
VEX RUFFIN
STONES THROW / GROOVE ATTACK – 15.11.2013

Vex Ruffin führt mit seinem Debütalbum Suicide & Co in den Kosmos von Stones Throw. Die Rezension und der Stream zum Album, mit der er aktuell auf Tour ist.

Der erste Reflex: Ach, das kennen wir doch alles schon. Ein mehr oder minder talentierter Jungspund nimmt Instrumente zur Hand, die er nicht beherrscht, und strickt im Schlafzimmer unterproduzierte Songs. DIY-Attitüde und so. Im Ergebnis klingt das dann nach Internet-Punk, Internet-Elektro oder Internet-HipHop, meist willkürlich miteinander kombiniert.

Das nach diversen Tapes, Minialben und Flexidiscs nun gerade erschienene Debütalbum des in Los Angeles ansässigen Teilzeitpaketboten Vex Ruffin macht sich zunächst auf Seiten des Post-Punk breit. Schon beim ersten Hören sind die Einflüsse klar zu verorten: Throbbing Gristle, Cabaret Voltaire, Suicide und Konsorten. Ruffins Songwriting als minimalistisch zu charakterisieren, wäre dabei eine unzulässige Untertreibung. Vielmehr produziert er mit karger Drummachine, dilettantischem Gitarrenspiel und sparsam eingesetzten Synthesizern Songs, an denen offenbar noch Haut und Knochen zu viel sind. Entgegen erster Befürchtungen entpuppt sich all das jedoch als durchaus spannend. Ruffins Stücke machen keine großen Umschweife, sind frei von jeglichem Dekor. Ihre anämische Klangfarbe und repetitiven Samples entfalten schnell eine eigene Atmosphäre. Thematisch bewegt sich Vex Ruffin in der kalifornischen Vorhölle Suburbia: Er ist jung und gelangweilt vom Frustriert-Sein – oder umgekehrt. Wie passend also, dass er im vergangenen Herbst einen Kleinst-Hit landete, als sein Song »Take It« in Lena Dunhams Coming-of-age-Serie Girls lief.

Neben ihrer Verwurzelung in Punk-Derivaten ist diese Musik auch eng mit HipHop und der Beat-Bastler-Kultur verwachsen. Vex Ruffin schaut zu DMX auf, als Teenager wollte er klingen wie Madlib, den er nun als seinen Stones-Throw-Label-Kollegen begrüßen kann. Von diesen Vorbildern verinnerlichte Ruffin die Techniken des Loops und Samplings sowie die soghafte Wirkung von deren Wiederholung. Wiederkehrende Bass- und Drum-Patterns sind es, die seinen Songs ihre Gestalt geben und die Hörer in den Bann dieses düsteren Entwurfs von Musik ziehen.

Dabei offenbart das Album eine überraschende Vielfalt. Den Auftakt geben »Living For The Future« und »Prime Of My Life«, zwei abgemagerte Stücke, die mit monoton vor sich hin wabernden Basslinien und intelligent eingesetzten Störgeräuschen irgendwo in die Schnittmenge zwischen Suicide und The Flying Lizards passen. Doch wo diese ihren konzeptionalisierten Klang auch stimmlich weiter verfolgten, entdeckt man bei Ruffin einen gewissen, wenn auch gelangweilt dargebotenen Soul. Das klingt nicht nur nach unterkühltem Alan Vega, es ist kühl und sanft zugleich. Und damit äußerst interessant.

Diese Vielfältigkeit setzt sich im Laufe des Albums fort: »It Will Come« wirkt mit Ruffins psychedelisch fließendem Gesang und tiefen Bassschlägen wie entschlackter HipHop auf Acid. Später treibt das an Can erinnernde »Won Day« die repetitiven Elemente auf die Spitze, »Forget It« wiederum ist feinster Pop mit einem Beat, der in jeder Kleinstadt Karosserien zum Vibrieren bringen könnte. Und am Ende des Albums schafft es Ruffin auf »Ruined« tatsächlich, seiner Gitarre so etwas wie einen Laurel-Canyon-Slide zu entlocken.

Ja, auch Vex Ruffin bedient sich vieler Genres gleichzeitig. Doch im Gegensatz zu so manchen seiner Kollegen wirkt sein Amalgam echt und unvermittelt. Eben nicht nur wie ein DSL-6000 Anschluss am Limit.

Vex Ruffin live
18.11. Saarbrücken – Kitu Klub
20.11. Berlin – Gretchen
21.11. Dresden – Altes Wettbüro
23.11. Wien – Venster 99
27.11. Frankfurt – Office Du Pain
28.11. Köln – Stecken
11.12. Hamburg – Hafenklang

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