Unheimlicher Retrofuturismus – Helen Frys „Future Light Cone“ im Vorabstream

Hinter Helen Frys retrofuturistischem Synth-Pop verbirgt sich die Industriedesignerin und Multi-Instrumentalistin Sarah Dudda. Mit ihrem Slow-Steve-Kollegen Rémy Letournelle hat sie eine EP voller Maschinen und Zukunftsszenerien aufgenommen – Future Light Cone im spexklusiven Vorabstream.

Nach dem Abschluss, wenn die meisten Leute erst mal für zwei Wochen in die Sonne fahren, nutzt Sarah Dudda die neugewonnene Zeit und spielt in „drei bis vier Bands”, wie sie sagt. Musikalisch scheint sich da einiges angestaut zu haben. Neben Slow Steve und Tendre Biche unterhält Dudda nun auch ihr eigenes Projekt Helen Fry, ein Exponat ihrer „nerdy” Begeisterung für technologische Fortschritte, 3D-Drucker und CNC-Fräsen.

Dudda kommt eigentlich aus der klassischen Musik. Ihre Hauptinstrumente sind Fagott und Klavier. Manchmal verspürt sie noch ein wenig Sehnsucht nach dem Orchester, „dann gehe ich in die Philharmonie und meine Augen werden ein bisschen feucht.” In Kombination mit ihrer Faszination für die technischen Aspekte ihres Jobs als Industriedesignerin ist das Resultat eine EP über eine nicht mehr allzu ferne Zukunft, in der menschliche Organe hergestellt und ersetzt werden können und die Grenze zwischen organischer und mechanischer Reproduktion verschwimmt.

„Science Fiction ist gar nicht mehr so Fiction”, meint Dudda und beschreibt begeistert Zukunftsszenarien. „Überleg‘ doch mal: Deine Lunge ist kaputt, du machst dir eine Neue. Du fällst auf die Nase, aber du kannst sie einfach austauschen. Wenn es soweit ist, wie gehen wir dann mit unseren Körpern um?”

Auch im 21. Jahrhundert, viele 100 Jahre nach ersten fiktiven Experimenten wie Mary Shelleys Frankenstein oder E.T.A. Hoffmanns mechanischer Olimpia wirken Vorstellungen von selbstgebastelten Menschen noch immer unheimlich. Ob sich eine Figur in Laurie Pennys Kurzgeschichten ein mechanisches Baby baut oder Dudda ihre Mutter um einen Zwilling aus dem 3D-Drucker bittet, vor dem geistigen Auge entstehen Bilder von brodelnden Reagenzgläsern und blinkenden Maschinen, die dem Doppelgänger Leben einhauchen sollen.

„Ich spiele nicht bewusst mit dem Unheimlichen”, verneint Dudda. Den Sandmann habe sie in der Schule nicht einmal zu Ende lesen können, weil es so unheimlich war. „Vieles ist im Rohzustand schon unheimlich. Aber eigentlich hätte ich einfach gerne einen Zwilling. Meine Eltern haben auch jeweils einen und ich fand immer, mir würde einer zustehen. Leider existiert er nicht.”

Mansions and Millions veröffentlicht die EP Future Light Cone am 7. April digital und auf limitiertem Tape. SPEX streamt sie exklusiv und in voller Länge vorab. Am 6. April tritt Helen Fry im Rahmen des Torstraßen-Warm-Ups im Berliner ACUD auf. 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here