Tom Rogerson With Brian Eno – „Finding Shore“ / Review

Der Tausendsassa und der Indie-Boy der Klassik machen ein gemeinsames Album: Brian Enos und Tom Rogersons Finding Shore oszilliert störrisch zwischen Eleganz und Quietschigkeit. 

Irgendwie ist die Aneignung der Klassik im Pop doch passiert. Neben Komponisten sogenannter Neuer Musik, die bisweilen die Abstraktion – welche die klassische Sinfonik sowieso schon in sich trägt – an den Rand des Nichtvorhandenseins treiben, erleben wir gerade die Hochphase einer Art Pop-Klassik. Man nennt das auch Neo-Klassik, wenn etwa Pianisten wie Nils Frahm oder Carlos Cipa gemeinsam mit Occupanther Klaviere soundästhetisch präparieren, harmonisch aber da bleiben, wo Debussy und Satie aufgehört haben. Das Ergebnis ist deutlich poppiger als die Neue Musik.

Der Brite Tom Rogerson ist so etwas wie der Indie-Boy dieser Neo-Klassik-Klavierspieler. In Zusammenarbeit mit keinem geringeren als Brian Eno legt er nun ein Debütalbum vor, das in das verfremdete, aber harmonisch schwelgende Klavier eine Understatement-Haltung legt, die zwischen Koketterie und Berührung schwankt. Sein instrumentales Spiel auf Finding Shore klingt so, als sei er selbst ein wenig überrascht, was ihm da gerade passiert. Führt „On-ness“ noch beinahe ungebrochen vor, dass der junge Mann einst klassisch Klavierspielen lernte, zeigen „Marsh Chorus“ und „Motion In Field“ das Instrument als quietschend-synthetische Orgel verkleidet, weil Eno die Klänge digital bereichert. Doch so naiv, wie Rogerson im Spiel bisweilen wirkt, ist er nicht. Ein Studium beim Komponisten Harrison Birtwistle prägte ihn genauso wie Barjazz und Erfahrungen in einer Post-Rock-Band. Dementsprechend schade ist es, dass er sich harmonisch nicht weiter wagt. Denn in weniger guten Momenten wirken seine Kompositionen nicht mehr elegant-verträumt, sondern beliebig, wenn er über Stücke hinweg im gleichbleibend ungebrochenen Tonspektrum verharrt.

 

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