The/Das Freezer

The/Das tragen Bodi Bill mit Handy-Taschenrechner-Plingplong zu Grabe: Ihr Album Freezer ist verpeilt, emotional, daneben – und hat obendrein einen echten Gospel-Hit. 

Bodi Bill gehen von der Bühne, und The/Das kommen mit ihrer ersten EP aus dem Club. Vor mehr als einem Jahr war das. Zwei Drittel der Berliner Live-Auftritt-Connaisseure Bodi Bill operieren seither entlang folgender Zweideutigkeit: frei flottierende Atmosphären- und Melancholieklänge versus kleinteilig programmiertes Beat-Gerüst. So lautet zumindest die Polung auf Freezer, dem Debüt-(Mini-)Album von The/Das. Schon zu Beginn lassen Fabian Fenk und Anton K. Feist die Frequenzen schwirren. »My Made Up Spook«, eine aus Groove und Synthesizer erbaute kleine Sinfonie als Eröffnungsstück, klingt bittersüß unter halbechtem Soulgesang. Wenig später ertönt »(Under) Miami Waters«, Handy-Taschenrechner-Plingplong mit Sprechgesang. Langsam spinnt sich eine eigentümliche Anmutung zusammen.

Das Album breitet sich als Psychodrama aus. Mit starken Kontrasten in den Klangfarben und Tonhöhen und einer irritierend abschmierenden Gitarre. Dass der Titeltrack »Freezer« am Ende von all dem steht, ist bestimmt kein Zufall. Alles hier fängt die Energie von etwas ein, das gerade vorbei ist, friert sozusagen den Moment ein. Immer ist gerade, vor ganz kurzer Zeit, etwas passiert. Eine Entäußerung, die Halt oder Haltung sucht in den sehr kleinen Steinchen aus Klang in der Rhythmusprogrammierung. So pulsiert etwa die präzise Federung von »This Place« in irisierenden Farben, der Flash war schon, der Blick ist noch leicht feucht.

Freezer besitzt zwar eine klassische Albumdramaturgie mit Spannungsbogen, den das Duo durch Arschwackler, eine melancholische Ballade zwischendurch und ein schlaues Electro-Stück aufbaut. Dennoch: Die beiden wissen, dass die Geschichte mit dem Album im Grunde nur noch die Ressource ist, auf der die ganzen Storytelling-Formate im Netz aufbauen. Und so sind The/Das die vielleicht Allerletzten, die noch etwas Verpeilt-emotional-Danebenes zum Rest der Ex-Feiernden zu sagen haben. Das ist das Greifbare dieses Albums, das, was es hinterlässt. Ein echter Gospel-Hit. Von daher könnten The/Das, sinnierend darüber, wie eindeutig die Diskrepanz zwischen Bodi Bill in der Studioversion und Bodi Bill als Bühnenerscheinung war, in mittelgroßen Clubs und auf angenehm dimensionierten Wohlfühlfestivals durchaus enorm werden.

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