The Plastics, die Popstar-Aufspritzbildchen

The Plastics

Wenn man sich schon operativ dem Aussehen seiner Lieblingsstars angleichen lässt, dann sollte man auch einen »Song« aufnehmen, dachte sich das straffe Trio The Plastics und veröffentlichte nun ein Video dazu.

Wir sehen Filmstar Jennifer Lawrence, Pop-Größe Madonna und Teenieschwarm Justin Bieber zusammen ans Mikro gedrängt. Nun gut, es handelt sich hierbei nicht um die genannten Idole selbst, sondern um die eher weniger bekannten Kitty Jay, Venus D'Lite und Toby Sheldon. Diese versuchen, ihren Vorbildern allerdings möglichst ähnlich zu werden, und haben sich dafür bereits mehrfach unters Messer und die Botoxspritze gelegt. Und das war und ist – so wollen sie es jetzt nun jedenfalls mit vereinten Kräften die Welt wissen lassen – ein großer Spaß, der absolut massentauglich ist: »Are you one of the boring ones / Who don't wanna be beautiful?«, fragen sie folgerichtig zu Beginn ihres kruden »Musikvideos«. 

Zwei dem heutigen Kapitalismus immanente Kräfte kreuzen sich in diesem Projekt auf besonders erschreckende Weise: der Egozentrismus und die Selbstentgrenzung. Wer derartige Schmerzen und finanziellen Aufwendungen – Sheldon geht etwa damit hausieren, dass seine OPs mehr als 100.000 $ gekostet haben – auf sich nimmt, als wäre es der Kauf von Tiefkühlpizza für 1,99, der kann mit dem eigenen Selbst zumindest nicht mehr wirklichen verbunden sein. Den Fixpunkt des Narzissmus hat man ohnehin bereits ausgelagert. Und dass irgendjemand für etwas Geld auch noch den Plastikbilligbeat drunter und die dringend nötigen Autotuneeffekte drüberlegt, ist ohnehin klar.

Entlarvend sind die durch und durch Ich-bezogenen Motive der Protagonisten – vor allem von Sheldon und Jay. Während der eher minder überarbeitete Travestiekünstler Venus D'Lite schon seit Längerem als Madonna-Impersonatorin arbeitet, als solche auch bei RuPaul's Drag Race auftrat, und daneben auch noch andere Berühmten verkörpert, sollen sich die anderen beiden eher aus Neid und Langeweile in die Modifikation gestürzt haben. Sheldon, so heißt es, sei nie großer Bieber-Fan gewesen, beneidete diesen aber um seinen Erfolg, Jay hingegen wurde von Freunden erst eine gewisse Ähnlichkeit mit Lawrence nachgesagt, die sie dann zu »perfektionieren« begann. Alles mithilfe solch lebenslustiger Ärzte wie Dr. Michael Persky und Dr. Matthew Schulman, die in dem Video auch noch mit ihren mimiklosen Kunden herumalbern. Und sollte man die hier nötige Suchtprävention ernsthaft betreiben wollen, dann müsste man genau bei deren Praxis ansetzen.