The Kills – Gefühlte 42°C, Album, Single, Video

TheKillsNo, they’re not born typical! Dieses Album ist reines Fieber, gute Güte. Darf man das so weit im Vorfeld überhaupt schon sagen? Listenanwärter für Ende 2008!? Muss man sagen dürfen, angesichts dieser zwölf Stücke! »Midnight Boom«, so soll der Titel der Platte lauten, es wird die dritte von The Kills sein. Knapp vierzig Minuten lang, durchschnittlich 2:50 pro Stück nehmen sich Alison Mosshart und James Hince Zeit für uns, und dabei schütteln sie nur so die Hits aus der Snare.
Dafür gehen The Kills guten Stoff an: für »Last Day Of Magic« hat sich Hince von Dostojewski inspirieren lassen, »Schuld und Sühne« aus dem Jahr 1866 liegt dem Song zugrunde. »It is about heartache and pain. It’s kind of set in my head. It’s set in Raskolnikov’s room, the description of that room is just so … It was a bit like my room at home, when my girlfriends left me. It was about being in a place and wanting someone to be there that has abandoned you.«
»Alphabet Pony« wiederum zitiert die späten 1960er Jahre (bzw. die Dokumentation »Pizza Pizza Daddy-O«): »It’s basically city kids on a playground making up handclaps and dances and songs«, sagt Mosshart im Interview. Sie seien schwer beeindruckt von den sich verändernden Texten der Abzählreime gewesen: Lediglich Rhythmus und Bewegungen blieben in den über Schulhofgenerationen weitergegebenen Reimen über längere Zeit erhalten, die Texte aber würden den zur Zeit herrschenden gesellschaftlichen Gepflogenheiten angepasst.

Aufgenommen wurde »Midnight Boom« wie schon dessen Vorgänger »No Wow« größtenteils in den Key Club Recording Studios in Benton Harbor, am Ostufer des Lake Michigan. »It’s an incredible oasis. It’s really home from home, we just lock ourselves away over there«, sagt Hince. Dabei kam ihnen gerade die Technik der 2002 eröffneten Studio-Räume entgegen: »That’s the point of this studio. It’s built around this old vintage analog-gear«.

Eben so klingt »Midnight Boom«: verzerrt, rumpelnd, Lo-Fi, zwingend, aber auch übernächtigt: die besten Ideen seien ihnen Nachts gekommen. So kann man »Midnight Boom« auch mit Nachtaktivität übersetzen. Mit dem verschachtelten Beat aus Tambourin, Handclaps, Drumbeats, Klanghölzern und allerlei anderer Sorten Percussion klingt »Cheap And Cheerful« tatsächlich wie ein »Toxic« der Kills. Genial: der vorangestelte Bruch mit der Popmusik; gleich zu Beginn zieht Mosshart erst mal den Schnodder mittels Hustenreiz hoch. Wundervoll, das meint man wohl mit ›rotzig‹! In »Tape Song« arbeiten beide auf gute und interessante Weise mit dem minimalen MP60-Drumsequencer-Beat – jedenfalls so lange, bis die Gitarre zu kreischen beginnt und die Kuhglocke Schläge abbekommt – das ist nämlich dann richtig gut! Oder hier: das extrem verzerrte, knapp eineinhalbminütige »M.E.X.I.C.O.C.U.«, das nach der Hälfte der recht kurzen Spielzeit unerwartet, dafür äußerst bestimmt von Noise-Studien Richtung Harmonien gekippt wird. »What New York Used To Be« ist ein ebenso angezerrtes Stück Musik, hier schwankt Mosshart bald zwischen Sprechreim und sehnsüchtigem Summen.

Erscheinen wird »Midnight Boom« im März, die erste Single »U.R.A. Fever« bringen Domino Records schon am 04. Januar 2008. Die kann man nun auch im Video hören: gedreht von The Kills und Regisseurin Sophie Muller (zuvor: The Jesus & Mary Chain, Garbage, Blur, Beyoncé) erzählen Alison Mosshart und James Hince vom Fieber, das man so in sich trägt. Ist ’ne äußerst gute Platte, darf man jetzt auf jeden Fall schon sagen! Zum sterben gut!


VIDEO: The Kills – U.R.A. Fever


STREAM: The Kills – U.R.A. Fever

The Kills – Midnight Boom:
01. U.R.A. Fever
02. Cheap And Cheerful
03. Tape Song
04. Getting Down
05. Last Day Of Magic
06. Hook And Line
07. Black Balloon
08. M.E.X.I.C.O.C.U.
09. Sour Cherry
10. Alphabet Pony
11. What New York Used To Be
12. Goodnight Bad Morning

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