Telepathe Destroyer

Zeitweise langweilig dahinplätschernder, dystopischer Neo-Sci-Fi-Gedenk-Soundtrack: Telepathes zweites Album Destroyer.

Träumen Androiden von elektrischen Schafen?, fragte Philip K. Dick im Titel seines Sci-Fi-Romans aus dem Jahr 1968. Die Frage gehört zu den Inspirationsquellen des 2012 aufgenommenen Telepathe-Albums Destroyer, das auf mehreren Ebenen zeitlich entrückt wirkt. So wurden zwischen 2012 und 2015 bereits sechs Songs in Form von Singleauskopplungen und Konzertmitschnitten veröffentlicht, Destroyer bündelt diese nun lediglich mit vier weiteren Songs. Die Veröffentlichung des Albums wurde nach Eigenauskunft der Band von ihrem Label verzögert, also gründeten Busy Gangnes und Melissa Livaudais ihre eigene Plattenfirma: BZML. Entrückt wirkt das Album auch, weil es einen sehr originalgetreuen Achtzigerjahreklang aufweist, der wiederum an das Telepathe-Debüt Dance Mother von 2009 anknüpft.

Gangnes und Livaudais setzen über 30 Jahre alte Synthesizer ein, Drum Pads, Gitarren, Bass. Der gesamte Produktionsprozess vom Songwriting bis zur Melodie lag in den Händen der beiden Musikerinnen. Der Sound kommt ausgereifter daher als auf ihrem Debüt, das verspielter und experimentierfreudiger war. Verwandtschaften zu grundverschiedenen, sich aber doch wechselseitig beeinflussenden Bands wie Twin-Gemz, Kool Thing oder Planningtorock zeichnen sich in Stil, Songwriting und Klangbild ab.

Telepathe-Songs – mit Titeln wie »Drown Around Me«, »Slow Learner« und »Someone Is Home« – funktionieren nach den gängigen Regeln des Pop: Fast alle haben catchy repetitive Refrains, verschwimmen kaleidoskopartig mit den Beats und mit Vocals, die sich nostalgisch-schwelgend an Teenagerlangeweile und Traurigkeit berauschen. Das führt dazu, dass Destroyer manchmal eher dahinplätschert, und auch der Achtziger-Retrofuturismus, der das Album streckenweise wie einen dystopischen Neo-Sci-Fi-Gedenk-Soundtrack anmuten lässt, kann gegen die mitunter aufkommende Langeweile nichts anrichten. Die Liebe zu einer guten Hookline, zu überschaubaren Songstrukturen und tanzbaren Dance-Tracks bleibt aber in jedem Moment spürbar. Und es lohnt sich, die Videoclips zu den Songs anzuschauen: Telepathe vermischen Modern Dance (diesmal aus den Neunzigern) und Performancekunst mit einem sehr charmanten Humor und folgen dabei einer verspielten camp-Ästhetik.

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