Text:
Oskar Piegsa
»Wusstest du, dass die Leichen von Vietcong-Kämpfern in Vietnam doppelt so schnell verwest sind wie die der GIs?«, fragt Aloe Blacc. »Schon damals haben wir unsere Körper mit Konservierungsstoffen vollgepumpt.« Blacc, selbsterklärter »entertainer and educator«, kennt den Vietnamkrieg zwar nur aus Erzählungen. Trotzdem klingt sein neues Album »Good Things« stark nach der Zeit zwischen Tet Offensive und US-Truppenrückzug, sprich nach den Jahren ’68 bis ’73, als die Soulmusik politisch wurde.
Erschienen in SPEX #328 09-10.2010 | 20.09.2010 09:15
Text:
Ralf Krämer
Conor J. O’Brien wandelt auf Solopfaden, seit sich seine Band The Immediate 2007 aufgelöst hat. Der Bruch traf den Dubliner völlig unvorbereitet: The Immediate, die er mit zwölf Jahren gegründet hatte, waren 2003 nach ihrer ersten EP in Irland zu einer nationalen Sensation aufgestiegen, nicht zuletzt, weil die vier Musiker während ihrer Sets zwischen Britpop und Avantgarde-Rock wie Irre im Rotationsverfahren die Instrumente tauschten. Weil aber alle außer O’Brien mit ihrem Leben noch etwas anderes vorhatten, hörte die Band kurz nach Auslieferung ihres Debütalbums auf. »Ich habe mich erst mal heftig betrunken«, blickt O’Brien zurück. Als Villagers hat er soeben sein Solo-Album veröffentlicht, am 5. Juli spielt er in Berlin.
Erschienen in SPEX #327 07-08.2010 | 02.07.2010 14:56
Text:
Elias Kreuzmair
jj sind vom ewigen Heilsversprechen des Pop zutiefst überzeugt: »Pop ist alles, was man liebt, auf einmal.« Zum Beispiel ein Butterflymesser, ein schwarzer Labrador oder brennende Fackeln. Oder Rauch, der anmutig aus dem Mund geblasen wird, oder Tränen aus Blut, die der einzige Farbtupfer im sonst so kühlen Schwarzweiß des Videos zur jj-Single »Let Go« sind. Eine seltsame Spannung durchzieht die Ästhetik, der sich das schwedische Duo, bestehend aus Elin Kastlander und Joakim Benon, bedient: Es gibt da das Reine und Helle – wie der Engelsflügel, der das Cover ihres neuen Albums »jj N° 3« ziert – und das Verstörende, das Messer und die Blutstropfen, die sich über weißen Grund verteilen.
Erschienen in SPEX #326 05-06.2010 | 18.05.2010 11:55
Text:
Ralf Krämer
Das Schreien hat ein Ende. Als würde der historische Übergang von Punk zu Wave als Blaupause für seine persönliche Entwicklung herhalten, hat Wesley Eisold aus Philadelphia dem Hardcore seiner früheren Bands Give Up The Ghost und Some Girls laut Servus gesagt. Nun singt (!) er richtig, zum Beispiel Zeilen wie »Look outside, world is exploding / Stay inside, so never knowing« im Titeltrack des Cold-Cave-Debütalbums »Love Comes Close«. Man versteht jedes Wort. Eine Melodie ist nicht nur erkennbar, sie wird durch ihre Wiederholungen sogar manifestiert. An die Stelle des Gitarrengewitters ist synthetische Klarheit aus Yamaha- und Casio-Keyboards getreten.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 02.02.2010 13:39
Text:
Wibke Wetzker
Miss Platnum macht Ernst. Ihr neues Album »The Sweetest Hangover« ist eine R&B-Produktion der HiFi-Klasse – mit Mörder-Hooks und Hammer-Beats, die den Beyoncés und Rihannas dieser Welt Konkurrenz machen könnten. Doch die Berlinerin winkt ab: »Ich mag Beyoncé, aber tausendmal lieber höre ich mir die alten Sachen von Chaka Khan, Aretha Franklin und Erykah Badu an. Die hatten vielleicht nicht die fetten vorproduzierten Beats am Start – aber sie waren trotzdem ›edgy‹ und hatten was zu sagen.«
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 11.09.2009 16:22
Text:
Oskar Piegsa

Sie gelten als eine der größten Hoffnungen des Musikjahres 2009: Elly Jackson und Ben Langmaid alias La Roux. Erst ein Unfall, dann ein Witz – jetzt ist es Pop.
Erschienen in SPEX #320 05-06.2009 | 24.04.2009 00:00