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Michael Lutz
Tiny Vipers ist Jesy Fortino, eine viel zu wenig beachtete Musikerin aus Seattle, die mit Akustikgitarre und Gesang geradezu geisterhafte Visionen entwirft. Ihre kraftvoll-erdige Stimme und das glühende Gitarrenspiel vermitteln dreierlei: Können, Willen und Grundehrlichkeit.
Ab kommender Woche ist Fortino mit ihrem letztjährig auf Sub Pop erschienenen Album »Life on Earth« auf Akustik-Tournee durch Deutschland und Österreich, im Rahmen ihres Zwischenstopps in Berlin tritt sie gemeinsam mit der Múm-Mitbegründerin bzw. aus dem Animal-Collective-Umfeld stammenden Multiinstrumentalistin Kria Anna Valtýsdóttir alias Kria Brekkan auf.
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Walter W. Wacht

Das neue Xiu-Xiu-Musikvideo zum Albumtitelgebenden »Dear God, I Hate Myself« wird nicht jeden Geschmack treffen: So simpel, authentisch und effektiv, gleichzeitig aber drastisch rücken nur die wenigsten Künstler das Thema Bulimie auf die Agenda. Wo sich Jamie Stewart auf dem neuen wie auf den älteren Xiu-Xiu-Alben über seine Texte der Katharsis nur inhaltlich nähert, setzt seine neue Bandkollegin Angela Seo die Selbstreinigung für das Musikvideo in die Tat um:
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Michael Lutz

Mit seiner intuitiv verjazzten Sphären-Elektronik steht das Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe schon seit Jahren für einen der elaboriertesten Pop-Entwürfe Deutschlands. Derzeit besteht die Gruppe aus Heike Aumüller, ihrem Mann Thomas Weber sowie Johannes Frisch. Das Trio puzzelt seine Musik aus Harmonium, Synthesizer, Kontrabass und neuerdings auch verstärkt aus Gesängen zusammen, und das nicht nur mit unbändiger Vitalität und schillernder Poesie, sondern vor allem mit beeindruckender Nervenstärke. Einen besseren Eindruck kann man sich in dem mit Hörproben aus ihrem neuen Album »Wildling« ausgestatteten Interview machen, in dem Thomas Weber über den Kompositionsprozess, Gesang und Instrumentierung von »Wildling« sowie die Bedeutung des Begriffs ›Psychedelia‹ für das Kammerfimmer Kollektief sprach.
Spex präsentiert die heute beginnende Tour. Schade bloß, dass sie es im Rahmen des aktuellen Spielplans – sieht man von einem Konzert in den Sophiensaelen Berlin einmal ab – nicht nördlicher als bis zum Mülheimer Kulturbunker schaffen.
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Michael Lutz
Bei Warp Records’ Bewegtbild-Dependence Warp Films erschien unlängst eine DVD zu den All Tomorrow’s Parties, jener englischen Festivalreihe, die mehrmals jährlich im Camber Sands Holiday Camp in East Sussex und im Butlins Holiday Camp in Minehead, Somerset stattfindet. Für jedes Festival wird ein anderer Künstler bzw. eine Band mit der Programmgestaltung beauftragt, weshalb die Lineups stets einen anderen Geschmack widerspiegeln und dabei nicht selten die feinsten Geheimtipps mit Größen aller erdenklichen Genres vereinen.
Im Februar und März geht die mit Gastbeiträgen von Les Savy Fav, The Gossip, Seasick Steve, Patti Smith, Daniel Johnston, Sonic Youth, David Cross, den Yeah Yeah Yeahs, Portishead, Animal Collective und vielen weiteren arbeitende Dokumentation, die weitaus mehr bereithält als nur Konzert-Mitschnitte, auf Kinotour in Deutschland – eine gute Gelegenheit also, sich von diesem Paralleluniversum einen Eindruck zu verschaffen. Und wer nun keine Zeit zum Kinobesuch hat, der kann den 82-minütigen Film auch als DVD bei Rapid Eye Movies erstehen.
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Michael Lutz

Wenn ein Konzert der Hamburger Formation Deichkind ansteht, hat man immer ein bisschen das Gefühl, der Zirkus sei in der Stadt. Und auch wenn die Formation immerhin schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, gilt sie immernoch als sichere Bank, wenn man sich mal wieder so richtig das Hirn durchspülen lassen will. Mit ihrem manischen Mash-Up aus Hiphop, Electro und Freak-Theater treiben Deichkind die Euphorie in ausverkauften Hallen auf die Spitze. Da fragt man sich schon, ob das noch ein Konzert ist oder schon ein kultisches Ritual zur Beschwörung mächtiger Götter. Jedenfalls tropft bei diesen szenischen Happenings jede Menge Flüssigkeit von der Hallendecke – wobei es sich freilich nicht ausschließlich um Kondenzwasser handelt.
Weil aber der Feier-Imperativ auch sein Gegengewicht braucht, präsentieren Deichkind im Frühjahr eine neue, nachdenklichere Form des Wahnsinns: »Deichkind in Müll«, eine von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Koproduktion der Band mit dem Hamburger Theaterhaus Kampnagel. Neben der Premiere in Hamburg wurden außerdem ein Termin in Krems bestätigt, außerdem kann man nun den Deichkind-Remix von Tocotronics »Macht es nicht selbst« streamen.
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Walter W. Wacht
Einen tiefen Einblick in die Subkultur Mittelamerikas gibt noch bis zum 14. Februar die Kunsthalle Fridericianum in Kassel: Im Dezember eröffnete dort die Ausstellung »Nuevos Ricos« des aus Mexiko-Stadt stammenden Künstlers und Labelbetreibers Carlos Amorales, nach dem jüngsten Auftritt des Hamburger dAdA-Pop-Künstlers Felix Kubin wird nun am kommenden Freitag der Niederländer Dick el Demasiado die Ausstellung mit einer Konzertperformance beenden.
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Walter W. Wacht
Zuallererst sind sie ein Duo, aber das ist natürlich nur Dreiviertel der Wahrheit: Den Kern von Christy & Emily bilden zwar die beiden in New York lebenden Musikerinnen Christy Edwards und Emily Manzo, die unzähligen auf ihrem neuen Album »No Rest« verwendeten instrumente zwischen Violine bis Vibraphon wurden von den unterschiedlichsten Menschen zwischen New York und dem oberschwäbischen Örtchen Scheer bedient. Der bekannteste unter diesen Kollaborateuren des vom Geist von Folk, Punk und Electronica zehrenden Projekts Christy & Emily ist sicherlich Hans Joachim Irmler, der künstlerische Leiter des intimen Scheerer Independent-Festivals Klangbadfestival und außerdem Mitbegründer und Produzent der in den 70ern wegweisenden und heute oft wiederentdeckten Gruppe Faust. Einen Vorgeschmack auf das Album und die Tour gibt es vorab als MP3.
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Walter W. Wacht
Das britische Duo La Roux – bestehend aus der blutjungen Elly Jackson sowie dem Produzenten Ben Langmaid – hat mit seinem bislang einzigen Album »La Roux« nicht nur in den Spex-Redaktionscharts 2009 den ersten Platz belegt, sie wurden kürzlich außerdem für die Brit-Awards als beste britische Durchbruchskünstler sowie für die beste Single nominiert. Ihr einzigartig homogenes Sounddesign ist irgendwo zwischen kühler Electronica und Autoscooter angesiedelt, dazu klingelt uns noch immer Skreams fantastischer Dubstep-Rave-Remix von »In for the Kill« in den Ohren. Wie sie im ›Quicksand‹-Video an der Ananas lehnte, wie sie im ›In for the Kill‹-Video im Toyota saß, wie sie gut geföhnt Eurythmics und Yazoo emulierte: Einfach alles an Elly Jackson hatte Klasse. Ab Ende Februar kommen La Roux für fünf von Spex präsentierte Shows in den deutschsprachigen Raum, dazu gibt es einen Musikvideo-Remix zu einem Single-Remix.
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Michael Lutz, Walter W. Wacht
Dem Londoner Label und Plattenladen Honest Jon’s kommt eine geradzu kulturkonservative Funktion zu: Seit Jahren graben sich die Betreiber Mark Ainley und Alan Scholefield durch einen Bestand von über 150.000 alten Schellack-Platten, die das Tonträgerunternehmen EMI im nahe gelegenen Städtchen Hayes in speziell temperierten Stahlkammern hortet. Der Branchenriese ließ zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Volksliedgut aus aller Welt aufnehmen und in Hayes auf Tonträger pressen, um mit diesem Material weltweite Märkte zu erschließen. Der Krieg und die Rezession lenkten die Firmengeschichte aber in andere Bahnen, weshalb die meisten dieser Schätze seit ihrer Archivierung in Vergessenheit gerieten. Am 5. Februar gibt es die seltene Gelegenheit, einem von Honest Jon’s gestalteten Abend im Berghain beizuwohnen. Unter anderem mit der Detroit-Deep-House-Legende Moodymann und dem Dubstep-Wunderkind Joy Orbison.
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Michael Lutz
Ursprünglich ein Kammerorchester, hat sich das Solistenensemble Kaleidoskop inzwischen vom klassischen Ensemble zu einer Künstlergruppe entwickelt, deren szenische Produktionen schon weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt sind. In ihrer neuen Aufführung »Wo bist Du Licht!« bilden Kompositionen von Claude Vivier, Joseph Haydn, Salvator Sciarrino und Jan St. Werner (Mouse on Mars) den Ausgangspunkt einer ambitionierten Konzertinszenierung, die verschiedene Aspekte des Themas Licht behandelt:
Wie verwandelt das Licht einen Ort? Wie wirkt es sich auf unsere Wahrnehmung aus? Diesen und anderen Fragen will das Solistenensemble Kaleidoskop zusammen mit dem Lichtkünstler Yann Becker vom 11. bis 13. Februar im Berliner Radialsystem V nachgehen und sucht in den Übergängen zwischen Klang und Stille, Helligkeit und Dunkelheit nach Schönheit.