Text:
Martin Hossbach
Einen Tag, nachdem Bernard Sumner und sein Schulfreund Peter Hook 1976 ein Konzert der Sex Pistols in Manchester gesehen hatten, gründeten sie eine Band. Mit dem später dazugestoßenen Sänger Ian Curtis wurde man als Joy Division berühmt. Nach Curtis’ Freitod übernahm Sumner die Rolle des Sängers in der umbenannten Band New Order. Deren riesige Umsätze finanzierten ab 1982 den Betrieb der Konzerthalle The Haçienda, die später als Drogenmekka und Technoclub weltberühmt wurde. Heute, nach dem x-ten Zerwürfnis mit Bassist Hook, ruht New Order, und das erste Album von Sumners neuer Band Bad Lieutenant, »Never Cry Another Tear«, erscheint. Zum Interview bittet Sumner, 53, an einem regnerischen Nachmittag aufs Land im Süden Manchesters.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 12.10.2009 13:55
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Max Dax

Das neue Album der auf der Achse Düsseldorf-Köln-Berlin operierenden Band Kreidler spielt mit dem Gedanken, dass es erkenntnisstiftend sein kann, wenn man sich über die Zeit stellt. Kreidler denken in einer Art Retro-Futurismus das 20. und das 22. Jahrhundert zusammen. Ihre Science Fiction vereint Grundgedanken der Kybernetik, also der Wissenschaft der Kommunikation und der Kontrolle von lebenden Organismen und Maschinen, mit Godards Spielfilm »Alphaville« – der spielte in Paris Orly, durch dessen gläsernes, die Zukunft manifestierendes Labyrinth man sich auch heute noch bewegt, wenn man als Easy-Jetsetter in Paris landet.
Frage: »Mosaik« im Sinne von »Labyrinth«?
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 06.10.2009 16:46
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Ulrich Gutmair
Wie ging eigentlich Pop noch mal? Die Schwedin Sally Shapiro erinnert uns: eine Melodie, ein Sound, ein Gitarrenriff, dazu eine Zeile, die dich trifft »wie ein Blitz« – wie es in ungezählten Lovesongs heißt. Schon sprechen die Botschaften aus dem Radio oder vom Plattenteller zu dir allein. Der Star und seine Drei-Minuten-Erzählung als Projektionsfläche: Das könnte ich sein. So zeigt es auch das Video zu Sally Shapiros Song »Jackie Jackie«: Ein Junge (oder ist es ein Mädchen?) im Kinderzimmer. An den Wänden hängen Poster, darunter ein Bild von Sally. Das Kind zieht eine Sally-Shapiro-LP aus dem Regal und singt und tanzt zu dem Song, schließlich auch gemeinsam mit Sally, die im TV-Bild erscheint: »Oh, Jackie Jackie / I still wait by the phone / Oh, Jackie Jackie / I don’t wanna be alone / So come along with me tonight«.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 21.09.2009 09:17
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Oskar Piegsa

Marc fährt nachts Taxi, Sascha tagsüber LKW, Maike trägt Dreads und Paul hat seine Diplomarbeit in Mathematik über stochastische Attraktoren geschrieben. Was die Mitglieder von HGich.T gemein haben: Wenn sie mit ihren bis zu zehn Mitstreitern auftreten, kleiden sie sich in Mülljacken oder zeigen sich gleich ganz nackt.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 18.09.2009 11:58
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Sebastian Hammelehle
Natürlich ist Lärm nicht gleich Lärm: Health aus Echo Park, Los Angeles, gelten als exzellente Live-Band und waren mit Nine Inch Nails auf Tour. Auf ihrem neuen Album »Get Color« verbinden sie analytisch fragmentierten Krach mit Engelsgesang und schenken Noise neue Relevanz.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 16.09.2009 09:43
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Aram Lintzel

Über anderthalb Jahrzehnte hinweg hat Moritz von Oswald zusammen mit Mark Ernestus einen unverwechselbaren Sound entwickelt, ohne je den Verdacht aufkommen zu lassen, er würde sich auf einem einmal erprobten Klangmodell ausruhen wollen. Ob Basic Channel oder Rhythm & Sound, die fein justierte Mischung aus Detroit-Techno, jamaikanischem Dub und avantgardistischer Geräuschästhetik war immer wieder neu und bahnbrechend, nichts schliff sich routiniert ein, keine Spur von ästhetischer Faulheit. Diese Musik schaffte es, Räume zugleich zu defi nieren und zu transzendieren, egal ob am Kollektivort Club oder im Binnenraum des iPods.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 13.09.2009 12:23
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Wibke Wetzker
Miss Platnum macht Ernst. Ihr neues Album »The Sweetest Hangover« ist eine R&B-Produktion der HiFi-Klasse – mit Mörder-Hooks und Hammer-Beats, die den Beyoncés und Rihannas dieser Welt Konkurrenz machen könnten. Doch die Berlinerin winkt ab: »Ich mag Beyoncé, aber tausendmal lieber höre ich mir die alten Sachen von Chaka Khan, Aretha Franklin und Erykah Badu an. Die hatten vielleicht nicht die fetten vorproduzierten Beats am Start – aber sie waren trotzdem ›edgy‹ und hatten was zu sagen.«
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 11.09.2009 16:22
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Jan Kedves
Erst die Blondierung, dann der Durchbruch: Die 23-jährige Stefani Joanne Angelina Germanotta, bekannt als Lady Gaga, straft alle Kritiker Lügen, die die Pleite der Popkultur herbeireden. Die modebewusste Newcomerin hat von ihrem Debütalbum »The Fame« 2,5 Millionen Kopien verkauft und sagt von sich, wenn sie einen Song komponiere, denke sie parallel immer schon an das korrespondierende Outfit. Mitte Juli in Köln: Am Abend wird Lady Gaga im Palladium mit den Stöckeln ihrer Lackpumps auf einem Plexiglaspiano eine Akustikversion ihres Hits »Poker Face« spielen. Vorher sitzt die New Yorkerin im Leopardenblazer auf der Dachterrasse eines Luxushotels und spricht über ihre visuelle Strategie – über Thierry Mugler, Andy Warhol und Jean-Jacques Rousseau. Vor dem strahlenden Blau des Himmels gehen die Kontur ihrer rosagesträhnten Perücke und die Türme des Kölner Doms eine Verbindung seltsam installativen Charakters ein.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 07.09.2009 09:05
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Die Redaktion
CD-Jewel-Cases zu Häuserfassaden – – – Thom-Yorke-Gerüchte zu Thom-Yorke-Wahrheiten – – – Matthew-Herbert-Schweinereien zu lebendigen Projekten – – – Außerdem: ein MP3-Minimix von Hudson Mohawke – – – Boys Noize & Erol Alkan mit neuen Songs im Stream – – – Blumentopf mittels Video zur Wähler-Aktivierung – – – SZ mit Pop und Staatsknete – – – Und: Metal nervt – – – Der Spextrakt.
Text:
Walter W. Wacht

Wir nähern uns der Veröffentlichung von »Heavy«, dem Solo-Album von Ex-Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer, und zwar mit gewaltigen Schritten. Letzte Woche erschien der Clip zu »Wohin mit dem Hass?«, ab heute zeigen wir in Kooperation mit unserem Partner tape.tv, dem Berliner Online-Musikfernsehen, die exklusive Premiere des Musikvideos zu »Lass uns Liebe sein«, der am 11. September erscheinenden ersten Single aus »Heavy«.
Außerdem neu auf Spex TV: Die Musikvideos der Blumfeld-Songs »Neuer Morgen«, »Die Diktatur der Angepassten«, »Tics«, »Graue Wolken«, »Tausend Tränen Tief«, »Wir Sind Frei« und »Verstärker«.