Pop-Briefing

Aeroplane

We Can’t Fly

Text: Thomas Hübener, Ralf Krämer

Aeroplane We Can’t Fly Tonträger Pop-BriefingThomas Hübener: Aeroplane ist ein von viel Blogosphärengeraune umgebenes italienisch-belgisches Electro-Duo, das in dieser Besetzung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers bereits Geschichte ist. Stephen Fasano hat sich aus gänzlich friedlichen Gründen entschlossen, eigene musikalische Wege zu gehen. Zukünftig wird alleine Vito De Luca das Alias »Aeroplane« für sich beanspruchen.                            

 
 

Jeremy Jay

Splash

Text: Thomas Hübener, Lukas Dubro

Jeremy Jay Splash Tonträger Pop-Briefing Spex #327Auf die Frage »Mann oder Maus?« würde Jeremy Jay wohl mit einem deutlichen »Maus« antworten. Denn als Wimp und coole Sau in Personalunion schätzt der Kalifornier mit frankoprovenzalischen Wurzeln das großspurige Understatement. Der Junge, der aussieht wie der Teenager, auf dessen Opferrolle sich alle einigen können, veröffentlicht jetzt sein drittes, unverschämt kurzes und unverschämt gutes Album.                            

 
 

Future Islands

In Evening Air

Text: Lukas Dubro, Thomas Hübener, Christoph Braun

Future Islands In Evening Air Cover Pop-Briefing TonträgerEine geniale 80s-Platte, nichts anderes ist das neue Album der Future Islands aus Baltimore geworden. Auf »In the Evening Air« fügt die Band gekonnt Elemente aus den Genres New Wave, Post Punk und Synthpop zu einem vielschichtigen Sound zusammen, den sie selbst als »Post Waffe« bezeichnet. In allen neun Songs von »In the Evening Air« beweist die Gruppe dabei nicht nur, dass sie geschickt zitieren, sondern auch großartig arrangieren kann. Der hitverdächtige Song »Vireo’s Ehe« veranschaulicht wieso:                            

 
 

Die Zukunft

Sisters & Brothers

Text: Ralf Krämer, Robert Defcon, Oskar Piegsa

Die Zukunft Sisters & Brothers Tonträger Pop-BriefingJa, ist denn schon wieder Jakob Dylan? Sowohl bei diesem als auch bei Bernadette La Hengst, Knarf Rellöm und Guz von den Aeronauten, die sich zu dritt neuerdings Die Zukunft nennen, hören wir Westerngitarren und die sonore Stimme eines Cowboys, oft begleitet von weiblichem Harmoniegesang. Zwar liegen Lichtjahre zwischen den beiden Entwürfen, aber in beiden Fällen wird das Gefühl unendlicher Weiten verbreitet, die keinen Sonnenuntergang benötigen, um uns mit selbstgenügsamer Entspannung zu benetzen.                            

 
 

Luke Haines

21st Century Man

Text: Thomas Hübener, Sebastian Hammelehle, Anne Waak

Luke Haines Pop-Briefing TonträgerKunden, die Platten von Luke Haines kauften, kauften auch Bücher von Stewart Home, Guy Debord, Andy Warhol, Julie Burchill, Tracey Emin, Georges Bataille, Sadie Plant, Thomas Pynchon, Mishima Yukio, Louis-Ferdinand Céline, Pier Paolo Pasolini, John Milton, Bret Easton Ellis und Musik von Black Box Recorder, The Auteurs, Baader Meinhof, Serge Gainsbourg, The Kinks, The Divine Comedy, Sparks, Neu!, Denim, The Passage, The Virgin Prunes, Patrik Fitzgerald, Moondog, Jacques Brel, Josef K, Marquis de Sade, Bill Pritchard, Brian Eno und Roxy Music. Und für den Satz »Life is unfair / Kill yourself or get over it«, der 1998 erwartbar zum Radio- und MTV-Boykott der Black-Box-Recorder-Single »Child Psychology« führte, könnten sie den Selbstsaboteur und diplomierten Sarkasten Haines noch heute herzen.                            

 
 

James Holden

DJ-Kicks

Text: Robert Defcon, Gerd Janson, Holger Klein, Christoph Braun

James Holden DJ-Kicks Spex #326 TeaserMechanisches Rattern, Piepen, atmosphärisches Filter-Rauschen. Die Grillen zirpen als der moogeske Lead-Synth und kurz danach der treibende Arpeggiator einsetzen und Mr. Watermark verkündet: »You are listening to James Holden, ›DJ-Kicks‹, coming late May on !K7 Records«. Musikalische Assoziation: »Shine On You Crazy Diamond« von Pink Floyd, während ein erstes technoides 808-Drum-Pattern mit Low-Pass-Filter reingeschraubt wird, nach wenigen Takten von housigen Sampling-Drums abgelöst. Jetzt, der CD-Track-Marker zeigt schon Track 2 an, schwindet der Lead-Synth und öffnet den Klangraum für ein weirdes Vocalsample, einen einzelnen harten Gitarrrenakkord, der das fortlaufende, harmonisch eher dunkle, mit kurzem Delay versehene Arpeggiogedudel für einige Takte unterbricht, um schließlich in den neu beginnenden Arpeggiogroove als Element integriert zu werden. Doch nur für kurze Zeit.                            

 
 

Matthew Herbert

One One / ReComposed Mahler Symphony X

Text: Andreas Reihse, Ralf Krämer, Thomas Hübener, Anne Waak

Matthew Herbert One One Spex #326 Pop-Briefing TonrägerNach seinem großartig anmaßenden Anti-Sampling-Manifest P.C.C.O.M. (Personal Contract for the Composition of Music), mit dem sich Matthew Herbert 2005 fast so viele Freunde und Feinde machte wie zehn Jahre zuvor Lars von Trier mit seinem ›Dogma‹, versiegte der Strom relevanter Veröffentlichungen von Matthew Herbert abrupt. Schlimmer noch: Im Unterschied zu den Dogma-Filmen, die mit der Zeit immer bahnbrechender ausfielen, legte Herbert mit seinen unsäglichen Big-Band-Platten schreckliche Plagiate großer Swing-Aufnahmen vor. Auf »One One« nun gibt er den Brit-Barden. Zurückgezogen und ganz allein in seinem Studio will Herbert »One One« aufgenommen haben. Möglicherweise hat er sich für seinen fast parallel erscheinenden Beitrags zur »Recomposed«-Reihe der Deutschen Grammophon als Geistesverwandten Gustav Mahlers entdeckt.                            

 
 

CocoRosie

Grey Oceans

Text: Thomas Hübener, Max Dax, Lukas Dubro, Anne Waak, Christoph Braun

CocoRosie GreyOceans Pop-Briefing Tonträger Spex326Sie haben immer noch den wunderbar zerbrechlichen Billie-Holiday-Blues und reihen Soulperlen zu funkelnden Ketten, aber diese werden nicht mehr vom Fön begleitet oder einem defekten Anrufbeantworter anvertraut. Konnte auf den ersten Platten CocoRosies noch der Eindruck entstehen, hier wolle jemand besonders neurotisch auffallen, so steht spätestens mit diesem vierten Album fest: Die sind so, die wissen, was sie tun, und sie tun es mit unglaublicher Passion.                            

 
 

Efdemin

Chicago

Text: Christoph Braun, Aram Lintzel

Efdemin Chicago Pop-Briefing Tonträger Spex326Ein Album »Chicago« zu betiteln, zeugt angesichts der starken Chiffre, für welche die Stadt im Clubkontext steht, von Selbst- und Geschichtsbewusstsein. Zugleich ist klar, dass kein Retro-House zu erwarten ist, wenn Efdemin alias Phillip Sollmann derartig vorprescht. Zu vielschichtig klangen bis dato die Tracks des House- und Techno-Produzenten, der an der Wiener Universität für Musik und Darstellende Kunst Computermusik studierte. Mit Stücken wie »Bergwein« und »Acid Bells« reüssierte Sollmann 2006 zur Zeit der Renaissance von Afterhour-Kultur und Glücksbringer-Tunes. ›Verstrahlt‹ lautete das Schlüsselwort jener Tage, und auch auf »Chicago« klingt Efdemin wieder, als hätte er in seinem Leben bereits MDMA in ausreichenden Mengen eingenommen.                            

 
 

High Places

High Places vs. Mankind

Text: Anne Waak, Max Dax, Lukas Dubro, Thomas Hübener

High Places Pop-Briefing Spex #326 Teaser

»Exquisite Corps« ist ein auf einer surrealistischen Technik basierendes Partygesellschaftsspiel, bei dem jeder Mitspieler ohne Ansehen der Vorarbeit der anderen ein Satz- oder Bildfragment zum entstehenden Gemeinschaftswerk beisteuert. Genau auf Basis dieser Methode schreibt das aus Brooklyn stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Duo High Places, bestehend aus Mary Pearson und Rob Barber, seine Songs: Ideen entwickeln die beiden nicht gemeinsam und in Abstimmung, sondern getrennt voneinander. Ergebnis dieser Methode ist ein in der anschließenden Assemblage stets eintretendes Überraschungsmoment.                            

 
 

Christy & Emily

No Rest

Text: Max Dax, Thomas Hübener, Anne Waak, Ralf Krämer

Christy And Emily No Rest Tonträger Pop-Briefing Spex #326Dax: Zwei, die narkotisiert in schwer fassbaren Traum- und Zeitschleifen kreisen. »Don’t you ever dream that you’re like the kings and monsters? / Sleep tight, sleep tight, sleep tight, sleep tight« – Christy Edwards und Emily Manzo driften mit ihrem direkt an die frühen The Velvet Underground anknüpfenden opaken Harmoniegesang, mit ihren dunklen, minimalistischen Arrangements und vergangene Jahrzehnte beschwörenden Melodien an Musik an, die heute so nicht mehr gemacht wird, aber nie unmodern war.                            

 
 

Heaven And

Bye and Bye I’m Going to See the King

Text: Christoph Braun, Max Dax, Lina Brion

Heaven And Tonträger Pop-BriefingEine sich Takt um Takt emporschraubende Basslinie, ein Grundrauschen aus Perkussion, dazu jaulende Lap-Steel-Gitarren – Heaven And steigen gleich mit dem ersten, siebenminütigen Track »Babylon« auf höchstem Energie-Niveau ein und halten dieses über die sechs Stücke und 46 Minuten ihres rein instrumentalen Albums. Die beiden Schlagzeuger Tony Buck und Steve Heather spielen traumwandlerisch zusammen, dabei unterläuft ihnen keinen Beat zuviel. Zeitblom am Bass und Gitarrist Martin Siewert ergänzen die beiden zu Heaven And.                            

 
 
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    Spex #336 Teaser

    Die neue Ausgabe Spex #336 ist ab dem 16. Dezember im Handel erhältlich, u.a. mit Newcomerin Lana Del Rey, David Lynch als Musiker, Occupy Wall Street mit Mark Greif, The Black Keys und dem Jahresrückblick RE: 2011.

    Außerdem: Gordon Matta-Clark, Miguel Adrover, Frank Miller, Rodarte, Mary Bauermeister, Drive, Veronica Falls, Sepalcure, Das Racist, Winfried Menninghaus, Niobe, Let Me In u.v.m.

    Dazu: Die Spex-CD #100 mit 15 Titeln und einem tierischen Foto von Juergen Teller.
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