Kultur

Abriss einer Ära

Der Filmproduzent und -Verleiher Bernd Eichinger ist tot

Text: Ralf Krämer

Bernd Eichinger Nachruf Constantin FilmAm gestrigen Dienstag kam der Film in die Köpenicker Straße in Berlin-Kreuzberg. Vor einer Fabrik, direkt neben der Redaktion der Spex, wuchs ein Gerüst in die Höhe, Scheinwerfer strahlten ins Gebäude, ein Wagendorf aus Trailern und Catering-Bus entstand. Auf dem Drehplan: Die Fortsetzung der erfolgreichen Kinokomödie »Männerherzen« – business as usual also. Keine drei Stunden später erreichte die Redaktion die Meldung, dass der deutsche Filmproduzent Bernd Eichinger völlig unerwartet an einem Herzinfarkt verstorben ist. Ein Nachruf.                            

 
 

Driver & Driver / Jeans Team

Kampf im Kulturkaufhaus / Totes Kino

Text: Robert Defcon

Driver And Driver Tonträger Spex 330»Kampf im Kulturkaufhaus« – so lautet die mehrstimmig gejohlte Parole zum bratzigen Techno-Beat von Driver & Driver, unterfüttert mit stilechten Hallenrave-Synthies der Neunziger. Es handelt sich um ein weiteres Kapitel Elektropunk, das – eingebettet in das Driver-&-Driver-Debütalbum »We Are the World« – von den Seltsamkeiten der kulturwirtschaftlichen Verwertungskette erzählt.                            

 
 

Hart angeblitzt in entspannten Posen

Modemesse Bread & Butter Berlin in Tempelhof, Ausstellungen von Juergen Teller

Text: Martin Eiberle

Juergen Teller Paradis Bread And Butter Berlin ModeNächste Woche geht das Spektakel wieder los: Erneut findet in Berlin die Modemesse Bread & Butter statt. Abseits der Ausstellungsfläche präsentiert die Bread & Butter (BBB) ihren Besuchern und Modeinteressierten Zaungästen ein vielfältiges Programm mit Showcases der Fashion-Punkband Bonaparte, schweißtreibendem Schachboxen, einer Douglas Kirkland-Ausstellung und natürlich zahlreichen Messeständen mit den Saisonhighlights der kommenden Herbst-/Winter-Kollektionen. Ein weiterer Höhepunkt im Veranstaltungszeitraum außerhalb des offiziellen Programms ist eine Ausstellung mit Arbeiten des Fotografen Juergen Teller.                            

 
 

Stille Nacht

Hurts mit Weihnachts-/Neujahrs-Single, gegen Weihnachtspop mit »Cage Against the Machine«

Text: Walter W. Wacht

John Cage 4_33Alle Jahre wieder: das Weihnachtspopmusikgeschäft kehrt zurück. Nur wer großes Glück, derzeit keine Supermarktbesuche avisiert oder das Radio abgedreht hat, ist bisher noch nicht ›gewhamt‹ worden. Aber nicht nur aus der Christmas-Classics-Abteilung droht Gefahr, auch zahlreiche Neuerscheinungen haben Weihnachten zum Thema: Mariah Carey, Annie Lennox, Jessica Simpson, ja sogar Nathan Fake und nicht wenige andere bringen Singles oder gleich ganze Alben mit eigenen Songs und Interpretationen bekannter Weihnachts-Klassiker auf den Markt. Das aus Manchester stammende Duo Hurts geht diesbezüglich auf Nummer sicher: Ihre Single beschwört gleich zwei Feste, Weihnachten und Neujahr. Währenddessen wächst auch in diesem Jahr der Hörerfrust, als Weihnachtssingle versuchen Internetuser John Cages stille Komposition »4’33« auf Platz 1 der Charts zu platzieren.                            

 
 

»Zwischen Tradition und Transformation«

Max Dax mit Vortrag & DJ-Set im Haus der Kunst München

Text: Walter W. Wacht

Dax DJ-Set Vortrag Haus der Kunst MünchenDann gehen, wenn es am schönsten ist. Die am kommenden Freitag erscheinende Spex #329 ist die letzte unter Chefredakteur Max Dax produzierte Spex-Ausgabe, im Editorial verabschiedet sich Dax im Duktus seines Blogs »Dissonanz« aus der Berliner Redaktion. Am Donnerstag hält er einen Abschiedsvortrag als Chefredakteur der Spex im Münchener Haus der Kunst, ein DJ-Set ist auch geplant.                            

 
 

Feinste Qualität und ironische Brechung?

Alber Elbaz von Lanvin liebt H&M, entwirft Designerkollektion

Text: Edwina Pru

alberel baz_lanvin paolo roversi HundMAnfang dieses Jahres äußerte sich die Modetheoretikerin Barbara Vinken im Spex-Interview zu zwei Kernströmungen der aktuellen Mode: Sie sprach über die Rückkehr des Eleganz-Ideals in der Pariser Couture, exemplarisch verkörpert in den Designs von Alber Elbaz für das Modehaus Lanvin; andererseits über den anfallartigen Markenfetischismus für die Massen, die die limitierten Designerkollaborationen des Retail-Giganten H&M auslösen. Wer nun dachte, dass distinguierte Eleganz, guter Schnitt, ausgewählte Stoffe einerseits und die Hau-raus-Mentalität des schwedischen Textilgiganten andererseits einander ausschließen, kennt die Modeindustrie schlecht. Wie gestern bekannt wurde, kommt die nächste Designerkollektion für H&M von niemand anderem als Alber Elbaz.                            

 
 

»Wie weit würde ich eigentlich gehen?«

Zum Tod von Christoph Schlingensief: Alec Empire, Frank Spilker und Modeselektor

Text: Die Redaktion

Als am vergangenen Samstag der Tod von Christoph Schlingensief bekannt wurde, war nicht nur die Trauer in der Spex-Redaktion groß, zahllose Menschen gedachten dem 49-jährig an Lungenkrebs verstorbenen Regisseur. »Wie weit würde ich eigentlich gehen?«, war einer der Gedanken Alec Empires zu Schlingensiefs großen gesellschaftlichen Engagement. Genau wie Frank Spilker (Die Sterne) und Gernot Bronsert und Sebastian Szary Modeselektor erinnert Alec Empire an Christoph Schlingensief.                            

 
 

Hotel Ruhe

Christoph Schlingensief, 24.10.1960 - 21.8.2010

Text: Max Dax



Soeben erreicht uns die Nachricht, dass Christoph Schlingensief nach langer, unbarmherziger Krankheit gestorben ist. Obwohl wir uns gut kannten, vielleicht gerade deswegen, haben wir uns in all den Jahren nur zwei Mal »geschäftlich« getroffen – beide Male, um ein Gespräch auf Band aufzuzeichnen.                            

 
 

Ein auditives Leuchtfeuer

Bill Drummond mit Chor The 17 in Oldenburg, Deutschland-Premiere, Teilnehmer gesucht

Text: Walter W. Wacht

Bill Drummond The 17Bill Drummond, früheres KLF-Mitglied, Autor und bildender Künstler, interessiert sich schon lange nicht mehr für Popmusik. Mit seinem Chor The 17 besinnt sich Drummond auf die purste Form der Musikerzeugung: Keine Aufnahmen, kein festes Ensemble, nur wenige Tonfolgen und vor allem: Keine Ton- oder Bildaufnahmen. Ende August kommt er mit The 17 erstmals nach Deutschland, für die Aufführung in Oldenburg werden noch Teilnehmer gesucht.                            

 
 

»Monotronic ist echt total angesagt!«

Tocotronic im »Micky Maus«-Magazin, »Aber hier leben, …« parodiert

Text: Walter W. Wacht

Monotronic Tocotronic TeaserAnfang des Jahres klang es noch nach einem guten Gag: Tocotronic sprachen anlässlich ihres aktuellen Albums »Schall & Wahn« alle »Bürgerinnen und Bürger von Entenhausen« mit einem Videogrußwort an. Was man aber im aktuellen »Micky Maus«-Magazins zu sehen bekommt, kann man wohl als feinste Selbstironie und gleichzeitig als Erlebnisbericht der schall- und wahnsinnigen Verkaufsschau in Hamburg verstehen. Donald Duck als ewig glückloser, ewig tobsüchtiger Freund Daisy Ducks, der es das neue Album der Gruppe Monotronic zu kaufen gilt. Im Interview erklären Tocotronic-Bassist Jan Müller und Ehapa-Redakteur Kai Reininghaus, wie es zu der Monotronic-Geschichte kam.                            

 
 

Das große Experimentieren

Rainer Kirbergs »Das schlafende Mädchen« vor Fertigstellung, Vernissage, Ausstellung und Exponat-Verkauf in Berlin

Text: Walter W. Wacht

Rainer Kirberg Das schlafende Mädchen Kunst FilmDie Frage nach der möglichst unabhängigen Finanzierung von Kulturprodukten ist und bleibt eine drängende: Während Musik- und Filmprojekte immer öfter von großen Markenartiklern unterstützt werden und der Staat seit einer ganzen Weile Geld zur Verfügung stellt, klafft auf der unabhängigen Seite oft ein Loch zwischen Produktionskosteneinsatz und späterem Umsatz bzw. Erlös. Rainer Kirbergs neues Filmprojekt »Das schlafende Mädchen« geht nun einen ähnlichen Weg: Der Verkauf von Filmstills und Fotografien vom Set wird in die Fertigstellung des Films einfließen, die Exponate werden im Rahmen einer Ausstellung in Berlin gezeigt.                            

 
 

Untot – Von Menschen & Monstern

Getrunken wird zu Hause: »Twilight« und »True Blood«

Text: Wibke Wetzker



Hysterisches Gekreische und schmachtende Blicke sind durchaus abschreckende Begleiterscheinungen des »Twilight«-Fiebers, weshalb sich ein differenzierter Blick auf das Zeitgeistphänomen Vampir lohnt. Wibke Wetzker erkennt in der »Twilight«-Saga, aber auch in der US-Serie »True Blood« einen Paradigmenwechsel: Die Deutungshoheit über den Vampir haben jetzt Frauen.                            

 
 
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