Text:
Christoph Braun
Alleine schon das Titelfoto des vor 25 Jahren erstmals erschienenen Bandes »Subway Art« zeigt, wie sehr sich der Akt des Writings um 1980 herum vom Phänomen »Grafitti« heutzutage unterscheidet. Was bei jedem kommunalen Kinderfasching als pädagogisch wertvoller Fetisch angeboten wird, begann als harte Arbeit. Für den Körper wegen der Unzugänglichkeit von Terrain und Malgrundlage sowie für den Geist wegen der potentiellen Anwesenheit von Cops und anderer Sicherheitsdienste. »Subway Art« von Martha Cooper und Henry Chalfant sollte dieses Einsickern in den Meinungsmainstream bedeutend anstupsen. Im Verlag Edel Edition, der im Herbst 2008 sein erstes Programm veröffentlichte und zur gleichnamigen Musikfirma gehört, erscheint am 11. März 2009 eine Jubiläumsedition im Großformat mit 70 bisher unveröffentlichten Fotos und einem Nachwort von Cooper und Chalfant.
Text:
Christoph Braun

Lichtenberg ist gemeint, einst stolze Plattenbau-Siedlung inklusive
all mod. cons. im Herzen der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. Heute schrumpft der Stadtteil, und es passiert, was passieren musste: Die Künschdler kummet. Der von der Hauptstadt stark subventionierte Wedding-Besetzungs-Hype ist noch in vollem Gange, da geht der Fokus schon aufs nächste Objekt der Gentrifizierung. Die Aktion an sich scheint einen Besuch wert, und nachhaltige Bezirkswiederaufwertung wäre eh die schönste Utopie:
Text:
Christoph Braun

Also, 25 Jahre
Wildstyle. Der Film zum vielleicht bekanntesten, weil medial weit verbreitetsten Graffito der Welt. Wildstyle eben. Und weil so viel gesagt worden ist über den Film, liefert Regisseur
Charlie Ahearn zur Silberhochzeit mit seinem Movie nun ein Materialienbuch nach. Der Verlag schreibt zu »Wild Style. The Sampler«:
Text:
Christoph Braun
Obama liegt vorne, jetzt wird die Kommunikation nochmal aufgebrezelt und der Stilfaktor erhöht. Extrem: das Pathos, ganz offensichtlich tatsächlich abgeschaut bei den großen Momenten der Bürgerrechtsbewegung, vgl. den repetitiven Einsatz der Obama-Parole »Yes we can« mit der »I have a dream«-Rede
Martin Luther Kings. Fast schon unangenehm kommen Song und
Video daher, die HipHop-Star-Produzent
Will.I.Am aus einer Obama-Rede gemacht hat. So in etwa fühlte ich mich als kleines Katholikenkind beim Runtermurmeln des Rosenkranzes. Egal. So sind die Zeiten des Wahlkampfes eben:
Text:
Christoph Braun

Spätestens mit dem zweiten Festival vor zwei Jahren hatte sich das Berliner Street Art-Festival »
Backjumps - The Live Issue« als internationaler Inkubator behauptet. Hervorgegangen aus Adrian Nabis gleichnamigen Magazin für, den Begriff benutzt er als Chefredakteur gerne, »Aerosol Art«, hatte das zweijährlich im Künstlerhaus Bethanien stattfindende Festival die experimentierfreudigen unter den Writern, Stencil Artists und 3D-Taggern angezogen. Im Januar erscheint der Katalog zur dritten Runde:
Text:
Michael Lutz

Die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber Streetart und Aerosol-Kultur ist in den letzten Jahren beständig gewachsen: Längst stellen feine Galerien Straßenkunst aus, die Arbeiten der Londoner Stencil-Koryphäe
Banksy werden aus den Mauern gemeißelt um später bei Sotheby's unter den Hammer zu kommen und internationale Sportartikelhersteller verzieren riesige innenstädtische Hausfassaden mit professionellen, nahezu fotorealistischen Werbe-Pieces. Die Straße, als Ort der kreativen Aktion und Entfaltung, spielt dabei jedoch leider keine nennenswerte Rolle mehr.
Anders bei dem klug durchdachten Projekt »
Planet Prozess« des in Berlin-Kreuzberg ansässigen Vereins
Artitude e.V.: Hier bringt ein außergewöhnliches Ausstellungskonzept 40 internationale Künstler mit den Zuschauern zusammen und schafft in den spektakulären Räumen des Senatsreservenspeichers eine Kulisse, auf der Streetart noch als unstatische, sich ständig modifizierende Kunstform stattfinden kann. Über drei Wochen hinweg entwickeln bekannte Künstler wie JR (Paris), Ehso (Berlin), Blu (Bologna) oder Alison & Solovei (New York) auf 1200 Quadratmetern ihre Werke. Dabei bleiben die Besucher nicht außen vor, sondern können auf verschiedene Weisen einzelne Phasen der Kommunikation und Entstehung miterleben und die Vielschichtigkeit von urbanen Ausdrucksformen wie Writing, Graffiti oder Objektkunst erfahren. Die Ausstellung eröffnet am 20. Juli, nach Ablauf der drei-wöchigen Kreativperiode wird es dann eine zweite Vernissage geben. Am 11. August findet außerdem eine Blockparty mit Konzerten und DJ-Sets von
Laing,
Daniel W. Best, Shapeshifters und vielen anderen statt. Detaillierte Informationenen und das ausführliche Programm sind
hier zu finden.
Text:
Christoph Braun

Rausgehen, in die Stadt: Seit 1994 dokumentiert und kommentiert
Backjumps das Geschehen in der Aerosol-Kultur. Das dritte Festival des Street Art-Magazins findet (mal wieder) unter veränderten Vorbedingungen statt: Natürlich sind Writing und Stencil Art längst auch Galerie-Futter. Doch in einem Sommer, in dem die Medien sich alle auf
Banksy als den »
153 000 Euro-Mann« stürzen und Art Buyer die möglichst lukrativen Kunst-Fonds zusammen stellen, macht ein Blick auf die Basics durchaus Sinn. Zwischen dem 23. Juni und 19. August geht die dritte »Live Issue« von Backjumps durch Berlin, sucht in Kreuzberger Kneipenklos nach den besten Tags, erklärt den Ü55-jährigen auf einer S-Bahn-Fahrt Sinn und Geschichte des Bombings, und bietet eine Vielzahl von Workshops für alle an. Mit dabei sind unter anderem Ash (Kopenhagen/ Paris), Blu (Bologna) und SKKI (Paris). Besonders zu empfehlen: die Fahrrad-Spaziergänge mit Akim. Der hat selbst einen ausgeprägten Style und gehört auch noch zu den Writern mit Theorie-Faible. Die Aktionen gehen aus vom Kunstraum Bethanien in Kreuzberg, wo auch eine Ausstellung gezeigt wird.
Nebenbei und drumherum hängen sich weitere Projekte und Galerien an Backjumps – The Live Issue #3. So etwa die Galerie
Tristesse Deluxe, die das Thema der vergangenen Jahre und sicher auch der näheren Zukunft einfängt: »Street Art goes Fine Art«.