Text:
Walter W. Wacht
»Was gibt es für Marketingleute Besseres als eine Gruppe mit eindeutigem ›unique selling point‹?«, fragt Sebastian Hammelehle in seinem Artikel zu Arcade Fire in unserer aktuellen Ausgabe Spex #328. Klassische Musikvideos zählen nicht zum Marketingrepertoire der kanadischen Band. Ihr Clip zu »Neon Bible« war interaktiv, eine rein auf die Vermarktung über das Internet zugeschnittene Bewegtbildarbeit – und erzeugte eine dementsprechend große Aufmerksamkeit im Netz. Auch der neue experimentelle Kurzfilm »The Wilderness Downtown« von Regisseur Chris Milk zu Arcade Fires Stück »We Used to Wait« (aus »The Suburbs«) spricht diese digitale Sprache.
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Walter W. Wacht

Wer sich als Musiker bzw. Band für ein klassisches Performance-Video entscheidet, steht entweder selbst zu sich als Person bzw. Formation, oder versucht das Ganze wieder ironisch zu brechen und den Clip auf eine andere Ebene als die der Abbildung des ›Produkts‹ zu bringen. Interpol haben sich für ihr neues Musikvideo zu »Barricades« scheinbar für einen Mittelweg entschieden.
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Aram Lintzel
Brian Wilson hasst den Strand, schon immer. Die vier Mitglieder der Drums inzwischen wohl auch. Seit »Let’s Go Surfing«, ihrem hymnisch-hysterischen Hit aus dem letzten Jahr, haben sie das Image der feucht-fröhlichen Beach-Popper weg. Ein Stigma, das die Brooklyner Band loswerden will.
Erschienen in SPEX #327 07-08.2010 | 23.07.2010 08:22
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Michael Lutz
»Come back here, motherfucker, we’re not done yet!« Mit diesen Worten endete der Auftritt von Wavves beim letztjährigen Primavera Sound Festival in Barcelona. Der Streit, der zwischen Nathan William und seinem Drummer Ryan Ulsh während der Show entbrannte, endete in Selbstzerstörung: Noch bevor das Publikum mit Schuhen und Flaschen größeren Schaden anrichten konnte, stürmten die Protagonisten von der Bühne. Die komplette Wavves-Tour wurde aufgrund dieses Fiaskos abgesagt, wovon auch die Auftritte in Deutschland betroffen waren. Umso erfreulicher, dass Wavves erneut Anlauf nehmen und mit ihrem neuem Album für fünf Shows auf Tour kommen.
Text:
Walter W. Wacht

Prinzipiell kommt diese EP in Sachen Aufmerksamkeit rund ein Jahr zu spät: Im Juli letzten Jahres verpflichtete der Label-Ableger eines amerikanischen Softdrink-Herstellers das New Yorker Produzententeam Holy Ghost! für einen Beitrag ihrer »Green Label Sounds«-Reihe, ihr Track »I Will Come Back« glänzte damals mit einem hervorragenden, detailverliebten Musikvideo – einem New-Order-Covervideo, um ganz genau zu sein.
Text:
Walter W. Wacht

Und schon wieder sind drei Jahre vergangen: Im Sommer 2007 erschien mit »Our Love to Admire« das dritte Album der New Yorker Band Interpol, am Ende des Jahres wählten die Spex-Leser die Platte zum sechstbesten Album des Jahres. Wo wird also am Jahresende »Interpol«, das neue, selbstbetitelte Album landen? Die Platte ist bereits eingespielt, dem Aufnahmeende folgten diverse Besetzungswechsel, die Vorab-Single »Lights« wurde samt Musikvideo veröffentlicht und im November kommen die teils neuformierten Interpol für zwei Shows nach Deutschland.
Text:
Thomas Hübener, Max Dax, Lukas Dubro, Anne Waak, Christoph Braun
Sie haben immer noch den wunderbar zerbrechlichen Billie-Holiday-Blues und reihen Soulperlen zu funkelnden Ketten, aber diese werden nicht mehr vom Fön begleitet oder einem defekten Anrufbeantworter anvertraut. Konnte auf den ersten Platten CocoRosies noch der Eindruck entstehen, hier wolle jemand besonders neurotisch auffallen, so steht spätestens mit diesem vierten Album fest: Die sind so, die wissen, was sie tun, und sie tun es mit unglaublicher Passion.
Erschienen in SPEX #326 05-06.2010 | 10.05.2010 11:00
Text:
Dominikus Müller
Das Konzept erinnert an Fischerspooner, doch kommen sie im Gewande des Barock daher und verspüren den Drang, vollkommen in der Pose des Tableau vivant aufzugehen: Angeführt vom Countertenor Jamie McDermott, suchen The Irrepressibles aus London zwischen Mode, Musik und Performance-Kunst den spektakulären Auftritt. Vom 9. bis 12. Mai sind The Irrepressibles mit ihrer aufwendigen Live-Show präsentiert von Spex in Deutschland zu sehen.
Erschienen in SPEX #325 03-04.2010 | 03.05.2010 14:46
Text:
Walter W. Wacht

Eine kleine Sensation ist Dan Snaith alias Caribou mit seinem am 16. April erscheinenden Album »Swim« gelungen, nämlich jene Hot-Chip-Platte, die Hot Chip in diesem Jahr selbst nicht schreiben konnten oder nicht mehr schreiben wollten: Mehr Soundforschung als noch auf dem letzten Caribou-Album »Andorra«, aber eben deutlich mehr von Electronica, Techno, House und Funk inspirierte Soundforschung. Wo Snaith bei »Andorra« noch streckenweise mit dem Fuß auf der Bremse stand, gilt für »Swim« nur noch Beschleunigung. Nun wurde ein Musikvideo zur Single »Odessa« veröffentlicht, in dem eine junge Frau mitten im Nirgendwo in einen Autounfall beschleunigt.
Text:
Walter W. Wacht
Die Vorgeschichte zu »Tomorrow, in a Year«, der Darwin-Oper in Kollaboration mit The Knife, Mt. Sims und Planningtorock, dürfen wir nach mehreren Features zum Thema als bekannt voraussetzen? Gut. Nicht nur wird die Musik zur Oper am 5. März als Album veröffentlicht, man kann die Platte bereits jetzt auf der Webseite von The Knife vorbestellen und im gleichen Zuge als MP3 herunterladen. Außerdem bieten The Knife das Album schon seit rund einer Woche in Gänze (siehe untenstehende Playlist) zum kostenlosen Stream an. Interessanter ist allerdings das kleine Roundtable-Hörspiel, das The Knife vor knapp zwei Stunden auf ihrem SoundCloud-Profil geparkt haben.
Text:
Max Dax, Andreas Reihse, Michael Lutz
DAX: Auf-die-zwölf-Musik aus Knoxville, Tennessee. »Let It Beep« verweist im Titel auf die Rolling Stones (»Let It Bleed«) und somit auf eine Neigung zum Rock als Besorger-Geste. Noise-Poprock ist die Grundierung des Quartetts, dessen Spektrum an musikalischen Ausdrucksmitteln auch Computerbeats, Samples und Harmoniegesang umfasst. Mit dem Effekt, dass man als Hörer permanent Schlüsselreizen ausgesetzt ist. Man könnte vielleicht von einem sonischen Rock-Verständnis sprechen, das sich zwischen den Stones, dem LCD Soundsystem und den frühen Pixies verortet.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 22.01.2010 09:00
Text:
Walter W. Wacht
In den vergangenen Monaten wurde dieses Magazin nicht müde, auf die unvergleichlichen The Very Best hinzuweisen: Das Trio, bestehend aus dem malawischen Sänger Esau Mwamwaya und dem britischen Produzenten-Team Radioclit, verknüpfte zuerst auf ihrem kostenlosen MP3-Mixtape und später auf dem »Warm Heart of Africa« betitelten Album traditionelle Westafrikanische Texte und Gesang mit westlichen Club-Rhythmen, mischten immer wieder Beats angesagter Indie-Acts wie Architecture in Helsinki, Vampire Weekend oder The Ruby Suns unter Mwamwayas warme Stimme, engagierten ›on top‹ die befreundeten Künstler Ezra Koenig, Santigold und M.I.A. für Gesangs-Beiträge zu einzelnen Songs und machten selbst vor Melodien von Hans Zimmer und Michael Jackson nicht Halt. Nun aber genug der Referenzen-Reiterei: Ab Sonntag sind The Very Best auf Deutschland-Tournee, außerdem haben sie die Single »Julia« von dem britischen Grime-MC Kano bearbeiten lassen.