Neon Indian
Era Extraña
Text: Anne Waak
Chillwave anno 2011. Das neue Album Era Extraña von NEON INDIAN vertont schlafwandlerisch die Future Sickness seines Verfassers im Angesicht der Postapokalypse. Zur Rezension verlost Spex die CD.

Chillwave anno 2011. Das neue Album Era Extraña von NEON INDIAN vertont schlafwandlerisch die Future Sickness seines Verfassers im Angesicht der Postapokalypse. Zur Rezension verlost Spex die CD.
Ein Land, in das über Jahrhunderte Menschen eingewandert sind, bringt andere Sozialfiguren hervor als eines, in das Generation auf Generation hineingeboren wird. Und so sind die USA, das Einwanderungsland schlechthin, geprägt von zwei Archetypen: Dem self-made man, der kam, um sich durchzusetzen. Und von seinem exakten Gegenteil, dem Zivilisationsflüchtling in der Tradition Henry David Thoreaus, der der Welt den Rücken kehrt, auf der Suche nach seinem persönlichen Walden.
Die kosmetische Technik des Skull Morphings bzw. die angeklebte Antäuschung subdermaler Implantate scheint sich derzeit wieder großer Beliebtheit zu erfreuen: Unabhängig voneinander zeigen zwei Veröffentlichungen der letzten Tage das menschliche Gesicht oder gleich den ganzen Körper stark verfremdet und deformiert. Zum einen ist dabei Lady GaGas Cover-Artwork zu ihrer neuen Single »Born This Way« zu nennen. Zum anderen die in Berlin lebende Multiinstrumentalistin Janine Rostron alias Planningtorock, die sich für ihren neuen Videoclip als Wesen von einem anderen Stern (oder zumindest nicht von dieser Welt) zeigt.
Der Titel lässt deutsche Popkulturaficionados kurz stutzen: »Safari Disco Club«? Da läuten die Kuhglocken doch spontan zu »Party Safari« der Münchener Gruppe Blumentopf, aber damit hat die Französin Julie Budet alias Yelle nun doch nichts am Hut. Ende März folgt das zweite Album der weiterhin in französisch textenden Sängerin, ihre Single »Safari Disco Club« darf man vorab gratis als MP3 herunterladen.

Alles Wissenswerte zu »Blue Songs«, dem Ende Januar erscheinenden, zweiten Album von Hercules And Love Affair, steht in der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe von Spex. Weiter geht es mit dem brandneuen Musikvideo zur Single »My House«, das die Hercules-Musiker in die tiefsten Neunziger katapultiert.

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde an dieser Stelle zuletzt über Hercules And Love Affair berichtet, das zweite Album des New Yorker Disco-House-Projekts Hercules And Love Affair in Aussicht gestellt. Nach einigen Konzerten und Festivals im deutschsprachigen Raum, diversen DJ-Terminen Andrew Butlers, dem Solo-Projekt Jessica 6 der früheren Sängerin Nomi Ruiz und einer Mix-Compilation ist nun auch endlich das zweite Hercules-Album fertig. »Blue Songs« wird Ende Januar nächsten Jahres erscheinen, zuvor sind Hercules And Love Affair im Vorprogramm der Gossip-Europatournee Live zu sehen. H&LA-Sängerin Kim Ann Foxman veröffentlicht derweil ihre neue Solo-EP samt Musikvideo.
Apropos Remix bzw. verschenken: Auch Phoenix zeigten sich im Zuge ihres jüngsten Albums »Wolfgang Amadeus Phoenix« schwer angetan von der Idee der (Flaschen- bzw.) Songbearbeitung. Aber nicht nur im Vorfeld der Albumveröffentlichung riefen sie zum Remix auf, auch eineinhalb Jahre nach Erscheinen der Platte sehen sie noch Handlungsbedarf von Extern. In ihrem jüngsten Newsletter rufen sie nun indirekt zum Remix des gesamten Albums auf, handschriftlich stellten sie außerdem weitere Geschenke in Aussicht:

»H(a)i-Tech verpflichtet«, heißt es in »Pudong«, der ersten Single des zweiten MIT-Albums »Nanonotes«. Dem gegenüber steht nun ein wenig hochtechnologisches, vielmehr äußerst schlichtes, minimalistisches Musikvideo.
Halbzeit im Tourterminkalender des Berliner Songwriters Norman Palm: In den nächsten Tagen spielt Palm im Rahmen seiner laufenden Tournee noch Konzerte von München bis Heidelberg, alle Daheimgebliebenen möchten wir hingegen auf das sehr schöne, neue Musikvideo Norman Palms hinweisen.

Andreas Nilsson, wer sonst? Welcher andere Musikvideoregisseur hat derzeit mehr Aufträge und vor allen Dingen Inspiration, um diese zu bedienen? Das neueste Vido des Schweden setzte er für José Gonzáles Band Junip um, die im zehnten Bestehensjahr auch endlich ihr Debütalbum »Fields« auf City Slang veröffentlicht.

Die Frau mit der ätherischen Goth-Stimme: Zola Jesus, bürgerlich Nika Rosa Danilova genannt, hat zwar gerade erst ihr neues Album »Stridulum II« auf Souterrain Transmissions veröffentlicht, nun folgt aber bald schon ein limitiertes 7-Inch-Vinyl mit dem neuen Song »Sea Talk«. Jenes Stück wurde vorab in ein hübsches Musikvideo transformiert.
»Was gibt es für Marketingleute Besseres als eine Gruppe mit eindeutigem ›unique selling point‹?«, fragt Sebastian Hammelehle in seinem Artikel zu Arcade Fire in unserer aktuellen Ausgabe Spex #328. Klassische Musikvideos zählen nicht zum Marketingrepertoire der kanadischen Band. Ihr Clip zu »Neon Bible« war interaktiv, eine rein auf die Vermarktung über das Internet zugeschnittene Bewegtbildarbeit – und erzeugte eine dementsprechend große Aufmerksamkeit im Netz. Auch der neue experimentelle Kurzfilm »The Wilderness Downtown« von Regisseur Chris Milk zu Arcade Fires Stück »We Used to Wait« (aus »The Suburbs«) spricht diese digitale Sprache.