Text:
Walter W. Wacht
Willkommen in der wunderbaren Welt der Internet- und SMS-Akronyme bzw. homophonen Abkürzungen: Gestern debütierte das neue M.I.A.-Stück »XXXO« im englischen BBC-Radio, seitdem wird der Radio-Rip der Single durch das halbe Web gereicht. »XXXO« steht dabei als Abkürzung für Dreifach-Küsse und Umarmung, die Verknappung einer Grußformel zwecks Zeichen- und Zeitersparnis.
Text:
Walter W. Wacht

Polizeigewalt, Willkür, staatliche Repression, quasi-ethnische Reinigungsversuche. Wie schon im Musikvideo für Justices »Stress« hält Regisseur Romain Gavras die Kamera gerade dann drauf, wenn es unangenehm zu werden droht. Im Falle der neuen M.I.A.-Single »Born Free« bzw. des das Stück flankierenden Musikvideos thematisiert Gavras gleichzeitig Völkermord und Rassismus, andererseits eine Episode der Comic-Serie »South Park«.
Text:
Ralf Krämer
Das Schreien hat ein Ende. Als würde der historische Übergang von Punk zu Wave als Blaupause für seine persönliche Entwicklung herhalten, hat Wesley Eisold aus Philadelphia dem Hardcore seiner früheren Bands Give Up The Ghost und Some Girls laut Servus gesagt. Nun singt (!) er richtig, zum Beispiel Zeilen wie »Look outside, world is exploding / Stay inside, so never knowing« im Titeltrack des Cold-Cave-Debütalbums »Love Comes Close«. Man versteht jedes Wort. Eine Melodie ist nicht nur erkennbar, sie wird durch ihre Wiederholungen sogar manifestiert. An die Stelle des Gitarrengewitters ist synthetische Klarheit aus Yamaha- und Casio-Keyboards getreten.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 02.02.2010 13:39
Text:
Philipp Ekardt, Jan Kedves
Sein ganz eigener Sound-Entwurf zwischen Klangforschung und romantischer Motivik hat Hendrik Weber alias Pantha du Prince in der Welt der Clubs zum Star gemacht. Nun hat der Produzent sein neues Album »Black Noise« fertiggestellt. Statt auf seinem Stammlabel Dial erscheint es bei Rough Trade: Geoff Travis war ein so großer Fan des Vorgängers »This Bliss«, dass er Weber anbot, den Nachfolger zu veröffentlichen. Tatsächlich ist »Black Noise« ein großer Wurf. Auf dem Album verbinden sich hyperreale Glockensounds und das Schaben eines Schweizer Schuttbergs, der einst ein ganzes Dorf begrub, zu gespenstisch alpinem Eiskristalltechno.
Am heutigen Freitag, den 22.01.2010., stellt Pantha du Prince »Black Noise« mit einem Live-Set im Rahmen der Party von Spex Live im Hamburger Club Uebel & Gefährlich vor, Karten sind ab Mitternacht an der Abendkasse erhältlich. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf den auf ZEIT Online kritisierten Missstand eines inkorrekt gekennzeichneten Textes im Angebot unseres Online-Werbemittels www.live.spex.de hinweisen, eine Reaktion darauf findet sich hier.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 22.01.2010 12:30
Text:
Walter W. Wacht

Diese durchaus distinktive Frage wäre hiermit also auch beantwortet: Welche Zigaretten-Marke raucht Soul- und Spoken-Word-Legende Gil Scott-Heron eigentlich? Antwort: Marlboro, das verrät uns jedenfalls das Cover-Artwork seines neuen Albums »I’m New Here«, das Scott-Heron beim genüsslichen Durchziehen eines Teerstengels zeigt. Anfang Februar wird »I’m New Here« auf XL Recordings erscheinen, es ist die erste Veröffentlichung des amerikanischen Sängers seit 13 Jahren.
Gemeinsam mit XL-Labelchef Richard Russell begannen Anfang 2007 die ersten Arbeiten an dem neuen Material, Scott-Herons zwischen Gesang und Gedicht changierende tiefe Stimme wird darauf von düster-pumpenden, an TripHop, Dubtep und Techno geschulten Beats sowie von breit ausufernden Streicher- und Klavier-Arrangements unterrmalt. Für die Single »Me and the Devil« wurde nun auch ein Musikvideo veröffentlicht, das ein im Original vom amerikanischen Blues-Gitarristen Robert Johnson 1937 veröffentlichtes Stück in einen großstädtischen Hipster-Hexer-Kontext überträgt.
Text:
Walter W. Wacht

»Es wird eine Gegenreaktion zu YouTube geben«, konstatierte Sasha Nixon von der britischen Produktionsfirma Partizan im vergangenen Jahr. Die Hochzeiten der Musikvideos sind vorbei, zumindest die der fetten Budgets. Mittlerweile kämpft eine Vielzahl von professionellen Regisseuren, Produktionsteams und andererseits Amateuren um die bei den Plattenfirmen immer schmaler werdenden Budgets für Videoclips, die sich trotz den wachsenden Erfolgen von iTunes und anderen Plattformen immer noch nicht wirtschaftlich rechnen.
Die für ihre Werbe-, Spielfilm- und Musikvideoarbeiten äußerst renommierte Londoner Agentur Partizan reagierte auf diese Entwicklung – und arbeitete mit ihrem Regisseur Saam Farahmand an dem neuen Format des nicht-digitalisierbaren Musikvideos. Das erste Ausstellungsstück dieser Art wird nun ab Donnerstag in London gezeigt, es handelt sich um die Visualisierung von »xx«, dem durchaus überraschenden Album der fabelhaften britischen Neogazer The XX.
Text:
Walter W. Wacht
Es ist zur liebgewonnenen Tradition geworden: Fast im Monatsrhythmus veröffentlicht Peaches Musikvideos aus ihrem Album »I Feel Cream«, der neueste Beitrag zum Song »Trick or Treat« erscheint dementsprechend pünktlich zu ihren bevorstehenden, von Spex präsentierten Deutschland-Terminen.
Text:
Jens Balzer
Ein Seemann liegt drunten im nassen Grab, seine Liebste sendet ihm letzte Verse. Ein schwangeres Mädchen nahm sich das Leben, aus dem Jenseits singt es nun Wiegenlieder für das ungeborene Kind. Mit solchen graudunkel gepinselten Songs wurden Rachel Unthank and the Winterset in den letzten Jahren bekannt; mit dem Geordie-Akzent des englischen Nordostens sang das Folkquartett auf zwei Platten Volkslieder und Eigenkompositionen über leidende Frauen und abwesende Männer. Dabei wurde der Folkmusik-Traditionalismus auf doppelte Art überschritten: in den vertrackten Vokalharmonien ebenso wie in der modernistisch-minimalen Instrumentierung; oft klickte und schnarrte unter den scheinbar authentischen Songs nur ein John-Cage-haft präpariertes Klavier; und der stolpernde Rhythmus wurde nicht getrommelt, sondern mit High Heels synkopisch gesteppt.
Erschienen in SPEX #323 11-12.2009 | 16.11.2009 10:28
Text:
Die Redaktion
Jubiläums-Prints von Warp Records – – – 19 Years of »Being Boring« – – – Musik-Blogs als neues Radio für die Beggars Group – – – Was dürfen Musik-Blogs? – – – Kostenlose MP3s von Solange und Atlas Sound – – – Videos von The Vanities und Patrick Wolf – – – Devendra Banhart im Stream – – – Der Spextrakt.
Text:
Walter W. Wacht

»Endlich!«, möchte man sagen, »endlich hat Jarvis Cocker es hinbekommen, ein Musikvideo zu seinem jüngsten Album freizugeben«. Im Mai dieses Jahres erschien sein zweites Solo-Album »Further Complications«, mit knapp sechsmonatiger Verzögerung folgt nun der Clip zum gleichbetitelten Song. Außerdem: Ein Mitschnitt von Cockers Gastauftritt in Gonzales’ »Piano Talk Show«.
Text:
Walter W. Wacht
Keine Lo-Fi-Ästhetik mehr wie bei »Take On You«, nun gibt es bei Peaches ironisch vorgetragene Klischee-Bilder zu Glamour, Hetereo-Sex-Appeal und Fashion: Für ihr neues Video zum von Drums of Death und Simian Mobile Disco Song produzierten Song »I Feel Cream« ließ sich Peaches von Partizan-Regisseurin Kinga Burza mit fetten Schulterpolstern, durchsichtigem Mantel und in hüfthohen Schürstiefeln ablichten, Cory Enemy liefert den dazu passenden Großraumdisco-Remix.
Im Anschluss an ihre Ende Oktober beginnende ausführliche USA-Tournee wird Peaches außerdem zwei von Spex präsentierte Deutschland-Shows spielen, Mitte Dezember besucht sie die größeren Konzerthäuser in Köln und Berlin.
Text:
Ralf Krämer

Ihre etwa zwölf Studioalben, diverse Best Ofs und obskure Cover-CDs ergänzten Yo La Tengo im letzten Jahr mit der nur über ihre Homepage erhältlichen Kompilation »They Shoot, We Score«. Sie bildet nicht nur das filmmusikalische Schaffen der umtriebigen Drei ab, sie ist auch die einzige Möglichkeit, Perlen aus den Scores der Independent-Filme »Game 6« und »Old Joy« legal auf CD zu bekommen. Doch auch die Gastauftritte der Band aus Hoboken stehen für ihre Affinität zum Medium Film – von ihrer unvergessen Darstellung von The Velvet Underground im Valerie-Solanas-Biopic »I shot Andy Warhol« bis hin zu einer kleinen Szene in einer sehr populären TV-Serie. Der dritte Teil des Kamin-Gesprächs mit Yo La Tengo dreht sich außerdem um ihre Heimat Hoboken sowie deren andere berühmte Kinder, Alfred Kinsey und Frank Sinatra.