Text:
Walter W. Wacht
Gestern eröffnete die »Popkomm von unten«-Veranstaltung All2togethernow, ein Netzwerk-Treffen bzw. eine Nicht-Musikmesse, die in ihrem ersten Jahr das von der pirateriebedingt kurzfristig abgesagten Popkomm gerissene Loch im Hauptstädtischen Musikkulturprogramm zu stopfen versucht. Neben den klassischen Live- und Festival-Formen bietet die All2togethernow vor allem inhaltlich ein abwechslungsreiches Programm: die Berliner Musikplattform Soundcloud initiiert die deutschen »Music Hack Days«, auf der Konferenz werden klassische Messe-Themen wie Musikvertrieb und Rechtemanagement, aber auch neue Formen des Urheberrechts und des Kulturfernsehens diskutiert. Daneben engagiert sich auch das Haus der Kulturen der Welt, das am heutigen Abend eine Veranstaltung zur veränderten Musikökonomie im Digital-Zeitalter veranstaltet.
Text:
Max Dax
Kunst macht arm, zumindest ihre Künstler. Mit einer »Konferenz zur Lage der postökonomischen Musik« wollen der Musiker Ekkehard Ehlers und der Musikwissenschaftler und Spex-Autor Björn Gottstein die weit reichenden Konsequenzen für Musik, Musiker und Musikhörer eruieren. Unter dem Schlagwort »Audio Poverty« wird die ökonomische Krise zur Wertkrise erweitert. Mit Blick auf Geschichte, Praxis und Theorie soll im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, der Ratlosigkeit des Musikstandes begegnet werden. Apokalypse nicht ausgeschlossen. Der Kongress findet vom 6. bis 8. Februar 2009 statt.
Erschienen in SPEX #318 01-02.2009 | 24.01.2009 00:00
Text:
Max Dax
Die ›Musikindustrie‹ und der ihr angeschlossene Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft waren in der Vergangenheit traditionell Projektionsflächen für begründete Systemkritik wie auch für diffuse Ressentiments. Im Jahr der größten Krise um Imagepolitur bemüht, änderte der Verband seinen Namen 2007 in ›Bundesverband Musikindustrie‹. Der Vorstandsvorsitzende Dieter Gorny, auch bekannt als Gründer des Musiksenders Viva und der Musikmesse Popkomm, scheint tatsächlich bemüht um eine Neuordnung der Verhältnisse. Sein Hauptthema ist die Frage nach dem Urheberschutz – und nach welchen Verteilerschlüsseln Tantiemen in einer globalisierten, vernetzten Welt den jeweiligen Rechteinhabern zufließen sollen. Im Interview spricht Gorny über Zukunftsvisionen und räumt Fehler ein, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Vergleicht man seine Positionen mit den Thesen der Videokünstlerin Candice Breitz sowie denen der Kuratoren des Kongresses »Audio Poverty« in Berlin Ekkehard Ehlers und Björn Gottstein, scheinen Industrie und Künstler inzwischen dieselben Fragen zu stellen. Ist die Zeit reif für einen Wandel?
Erschienen in SPEX #318 01-02.2009 | 19.01.2009 00:00