Text:
Walter W. Wacht

Eine frühe Form der Videokunst entwickelte in den sechziger Jahren Andy Warhol: Für seine Reihe »Screen Tests, 1964-66« lud Warhol 189 Persönlichkeiten in sein »Factory«-Atelier, die Handlungsanweisung war für jeden dieselbe: Susan Sontag, Edie Sedgwick, Salvador Dalí, der kürzlich verstorbene Dennis Hopper oder Lou Reed. Das neue Musikvideo zur kürzlich erschienenen 7"-Single »Porcelain« des Duos Kraków Loves Adana referenziert nun Andy Warhols »Screen Tests«-Reihe, wenn auch nicht mit der gleichen Konsequenz. Wir zeigen die Premiere des »Porcelain«-Videos.
Text:
Max Dax
Sie ist ganz klein und zierlich, und man sieht ihr von Angesicht zu Angesicht die 76 Jahre nicht an: Yoko Ono, Konzeptkünstlerin von Weltrang und umstrittene Musikerin, veröffentlicht zum ersten Mal seit 1973 mit »Between My Head and the Sky« ein neues Album ihrer Plastic Ono Band. Diese ist in neuer Besetzung wiederauferstanden. Gemeinsam mit ihrem Sohn Sean Lennon versammelte sie eine Schar toller internationaler Musiker um sich – unter ihnen Cornelius und Erik Friedlander. Ihr eklektischer Pop klingt ebenso gegenwärtig wie relevant. Yoko Onos Timing ist perfekt: Die unermüdliche Kämpferin für den Weltfrieden nahm erst kürzlich auf der Biennale in Venedig neben John Baldessari den Preis für ihr Lebenswerk entgegen.
Erschienen in SPEX #323 11-12.2009 | 07.12.2009 08:15
Text:
Björn Gottstein
Man hat längst aufgehört zu zählen, wie oft nun schon versucht worden ist, das Lebensgefühl der Popkultur mit den hohen Weihen der klassischen Musik versöhnen. Eine Bach-Toccata mit Discobeat, ein Schumann-Lied als Rockballade, Donizetti als Hiphop-Sample, Deep Purple lässt sich vom Royal Philharmonic Orchestra begleiten, die Siegel Schwall Blues Band trifft auf das Boston Symphony Orchestra, das Vienna Symphonic Orchestra Project spielt David Hasselhoff, die Dresdner Sinfoniker widmen sich Rammstein. Was haben wir nicht alles für Peinlichkeiten erlebt. Das Fauré Quartett hat es sich nicht nehmen lassen, dieser Geschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.
Erschienen in SPEX #323 11-12.2009 | 18.10.2009 16:08
Text:
Jan Kedves
Erst die Blondierung, dann der Durchbruch: Die 23-jährige Stefani Joanne Angelina Germanotta, bekannt als Lady Gaga, straft alle Kritiker Lügen, die die Pleite der Popkultur herbeireden. Die modebewusste Newcomerin hat von ihrem Debütalbum »The Fame« 2,5 Millionen Kopien verkauft und sagt von sich, wenn sie einen Song komponiere, denke sie parallel immer schon an das korrespondierende Outfit. Mitte Juli in Köln: Am Abend wird Lady Gaga im Palladium mit den Stöckeln ihrer Lackpumps auf einem Plexiglaspiano eine Akustikversion ihres Hits »Poker Face« spielen. Vorher sitzt die New Yorkerin im Leopardenblazer auf der Dachterrasse eines Luxushotels und spricht über ihre visuelle Strategie – über Thierry Mugler, Andy Warhol und Jean-Jacques Rousseau. Vor dem strahlenden Blau des Himmels gehen die Kontur ihrer rosagesträhnten Perücke und die Türme des Kölner Doms eine Verbindung seltsam installativen Charakters ein.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 07.09.2009 09:05
Text:
Ralf Krämer

Ihre etwa zwölf Studioalben, diverse Best Ofs und obskure Cover-CDs ergänzten Yo La Tengo im letzten Jahr mit der nur über ihre Homepage erhältlichen Kompilation »They Shoot, We Score«. Sie bildet nicht nur das filmmusikalische Schaffen der umtriebigen Drei ab, sie ist auch die einzige Möglichkeit, Perlen aus den Scores der Independent-Filme »Game 6« und »Old Joy« legal auf CD zu bekommen. Doch auch die Gastauftritte der Band aus Hoboken stehen für ihre Affinität zum Medium Film – von ihrer unvergessen Darstellung von The Velvet Underground im Valerie-Solanas-Biopic »I shot Andy Warhol« bis hin zu einer kleinen Szene in einer sehr populären TV-Serie. Der dritte Teil des Kamin-Gesprächs mit Yo La Tengo dreht sich außerdem um ihre Heimat Hoboken sowie deren andere berühmte Kinder, Alfred Kinsey und Frank Sinatra.
Text:
Jan Kedves, Philipp Ekardt

In Krisenzeiten verabschieden sich Fischerspooner von der Üppigkeit: keine Millionenvorschüsse einer implodierten Plattenindustrie mehr, aber auch keine neuromantischen Bildexzesse, ebenso kein appropriierter Bombast-Rock-Sound. Stattdessen schalten Casey Spooner und Warren Fischer auf den Anfangsgedanken ihres gemeinsamen Projekts zurück und gehen in die Performance-Offensive – mit Unterstützung der New Yorker Wooster Group, mitsamt Kopfbedeckungen, die wie Weltraumstationen aussehen, und Körperfortsatzkostümen, die vom Bekleidungsdiscounter Target inspiriert sind. Ein Gespräch mit Casey Spooner über das neue Fischerspooner-Album »Entertainment«, über die Arbeit in Musik- und Kunstindustrie, und wie man mit deren Unvereinbarkeit umgeht.
Erschienen in SPEX #320 05-06.2009 | 08.06.2009 14:30
Text:
Maurice Summen

Wenn sie an die Krise denkt, kriegt sie gute Laune: Merril Nisker kombiniert auf ihrem neuen Album »I Feel Cream« dampfige Soul-Einlagen mit strategisch angebratztem Clubsound.
Erschienen in SPEX #320 05-06.2009 | 20.04.2009 00:00
Text:
Max Dax
Seinen Gesprächspartnern stellte er sein Diktafon als »meine Frau« vor, die Transkripte druckte er in seinem Interview Magazine ab. Im August wäre Warhol 80 Jahre alt geworden.
Erschienen in SPEX #315 07-08.2008 | 06.08.2008 00:00
Text:
Christoph Braun

Auch wenn es die Überschrift nicht vermuten lässt, diese News steht in direkter Verbindung zu
FSK. Denn hinter dem in seiner Lautmalerei an einen alten Synthiepop-Hit erinnernden Titel »
Green Dreams« verbirgt sich die aktuelle Ausstellung des hier schon mehrfach empfohlenen Kunstverein Wolfsburg. Und da stellt Justin Hoffmann die Ausstellungen zusammen. »Green Dreams« allerdings wurde von Christine Heidemann und Anne Kersten kuratiert – Hoffmann
nahm wohl gerade im Studio auf.