Mulatu Astatke & The Heliocentrics

Wie ansteckend der Groove von Mulatu Astatke, des 66-jährigen Wegbereiters des äthiopischen Jazz, ist, lässt sich wunderbar an diesem Eigenexperiment abschätzen: Man greife zu der am Freitag erscheinenden Astatke-Werkschau-Compilation »New York – Addis – London – The Story of Ethio Jazz 1965-1975«, skippe bis zum sechsten Stück »Yègellé Tezeta« und beschalle damit seine nähere Umgebung – in den meisten Fällen dürfte sich der Effekt freudig mitnickender Köpfe einstellen, einigen Hörern wird der von der Hammond-Orgel und Trompete begleitete Rhythmus schwer bekannt vorkommen.

    Einerseits, weil Jim Jarmusch das Stück in seinem Film »Broken Flowers« (2005) breitenwirksam einsetzte – andererseits taucht Astatkes Komposition seit Jahren immer wieder in den verschiedensten Zusammenhängen auf: neben zahlreichen Afrika-Musik-zentrierten Compilations nahmen auch das schottische DJ-Team Optimo Espacio sowie Rough Trade Records den Track auf ihre Compilations auf – und machten den 1943 im äthiopischen Jimma geborenen Astatke damit nochmals einer ganz anderen Hörerschicht bekannt. Wer neben Lee Hazlewood, Duke Ellington, Coil, LCD Soundsystem, Nurse With Wound oder Matmos auftaucht, kann schließlich so irrelevant nicht sein.

    »Mulatu Astatkes eigentlich doch meditative Musik verbreitet eine Unruhe, die ansteckend ist«, schrieb Christoph Twickel in Spex #320 anlässlich der Veröffentlichung des letzten Teils der Strut-Records-Reihe »Inspiration Information«, der in diesem Fall Mulatu Astatke und dem Londoner Orchester The Heliocentrics geschuldet war. »So ansteckend, dass seine in den sechziger und siebziger Jahren eingespielten Instrumentals sich wie ein Virus verbreitet haben, nachdem sie einmal den Archiven entwichen waren. (…) The Heliocentrics aus London spielten als Backing Band von Astatke (…), jetzt gibt es ein gemeinschaftliches Album. (…) Ein Haufen kräftiger, ungestümer Sun-Ra-Epigonen fällt in den eher transparenten, weichen Soul Astatkes.«

    In Kürze kommen Astatke und die Heliocentrics nun endlich wieder nach Deutschland, Spex präsentiert ihre beiden Shows in Berlin und Hamburg – der Vorverkauf für beide Veranstaltungen läuft bereits.


VIDEO: Mulatu Astatke & The Heliocentrics – Live at Cargo, London (2008)
MP3: Mulatu Astatke & The Heliocentrics – Masenqo

Spex präsentiert Mulatu Astatke & The Heliocentrics Live:
29.10. Berlin – Lido ¹
01.11. Hamburg – Fabrik
¹ Beginn: 20 Uhr, mit Boozoo Bajou (Live), Micatone (Live), Jazzanova (DJ)

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