Sophia Kennedy „Sophia Kennedy“ / Review

Sophia Kennedy gelingt auf ihrem ersten Album eine Idee von Größe und Meisterschaft. So sehr ihre Fähigkeiten überraschen, so bedingungslos nimmt sie ihre Heldinnen auseinander.

Als erstes fällt einem diese Stimme auf. Sophia Kennedys Stimme hat eine irre, irritierende Kraft, sie klingt mal brutal und unerbittlich, mal kristallin und durchlässig. Sie hat etwas unbeschränktes, sie scheint für kein bestimmtes Gegenüber (eine Geliebte oder einen Geliebten etwa) zu singen oder für ein bestimmtes Publikum. Wie ein Naturereignis ist diese Stimme einfach da.

Die aus Baltimore stammende, in Hamburg lebende Filmstudentin versetzt einen ins Staunen weil ihre Musik kaum einzuordnen ist. Die stilistischen Bezüge sind ultraklassisch, die Songs lassen zunächst an Musicals denken, an Jazzsängerinnen wie Ella Fitzgerald oder an Nina Simone oder an die Beach Boys. „Build Me A House“ etwa erinnert an den selbstbewussten, erfüllten Humanismus von Musicals wie Hair und an den stolzen Soul der sechziger Jahre. Der Text dekonstruiert aber diesen emanzipatorischen Gestus: „Build me a house / Where I can live in / Where I can stay / A place of my own/ I long to see the water / See the waterfall / Stone, bricks and wall/ A room with a view“, singt sie da. Das Ideal eines eigenen, unabhängigen Ortes löst sich in der eigentümlichen Wortkette water, waterfall, wall, view in eine Reihe von Einzelbildern auf – unbelebt und einsam. Um dieses Umkippen von Lebensenergie und Form in Melancholie und Leere geht es in Sophia Kennedy.

Das Album als mind game: Es gibt eine Stimme, aber keinen Adressaten.

Durch ihr Gesangstalent und ihre Vorbilder entsteht eine Idee von Größe und Meisterschaft. So sehr ihre Fähigkeiten überraschen, so bedingungslos nimmt sie ihre Heldinnen auseinander. Dieses Album ist ein mind game: Es gibt eine Stimme, aber keinen Adressaten, es gibt einen Song, aber keine Botschaft. Oft tauchen Zirkelfiguren in den Texten auf: „Being lonely makes you special / Being special makes you lonely / Said the girl on the television news / I was wondering is she talking about me?“ Es nicht zu entscheiden, ob man etwas zu sagen hat oder ob man nur von sich selbst redet. In letzter Instanz geht es um Wahnsinn, um den Moment, in dem man nicht mehr unterscheiden kann, ob man selbst spricht oder jemand anderes: „If there is something wrong with me / There might be something wrong with you, too / If I behave a certain way / It’s because you do the same.“

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