Siva „The Story Is Complete, But I Think We’ve Lost The Book“ / Review

Neuer Wein aus alten Schläuchen. Dem jungen Berliner Quartett Siva gelingt mit seinem Debüt-Album eine äußerst erfreuliche Zusammenführung bekannter Elemente. Geprägt wird die Platte von der Schulung an US-amerikanischem Collegerock ebenso wie britischem Schrammel-Pop, sparsam eingesetzte elektronische Tupfer bieten Anknüpfungspunkte zu filigraner Gearbeitetem: Gerne kann man sich an frühe Radiohead oder Notwist erinnern, wenngleich der Wille zum Experiment bei Siva bislang weniger stark ausgeprägt ist, bleiben sie doch herkömmlicheren Songstrukturen und einem vergleichsweise traditionellen Einsatz ihres Rockinstrumentariums verpflichtet. Damit nicht genug, auch Postrock spricht latent aus ihrer Musik: Die leicht angejazzte Schlagzeugarbeit, die häufigen, nervösen Tempo-Wechsel und  einige nach dem guten, alten Leise-Laut-Prinzip konstruierte Höhepunkte holen Bands wie Karate oder – wieder einmal – Slint zurück ins Gedächtnis. Auch wenn hier also nichts und niemand aus gewohnten Bahnen geworfen wird, so können Siva doch locker überschwänglichere Gefühlsregungen hervorrufen als die üblicherweise mit der gönnerhaften Zuschreibung »charmant« assoziierten. Charmant sind sie ohnehin zweifelsfrei. Sie haben die tollen, eingängigen Melodien anzubieten, gleichzeitig packen sie, wie zufällig, vertrackte, unvermutete Winkelzüge in ihre Songs. Ein Irrlichtern durch die Labyrinthe von Gitarren-Rock.
    Insgesamt liegt in den Stücken der typische, ständige Indie-Schwermut begraben, den Sänger Andreas Bonkowski – offenbar konstant Trübsal blasend – mit zart-bitterem Schmelz in der Stimme über weite Strecken des Albums – in englischer Sprache wohlgemerkt – relativ geschmackssicher und unnervig zum Leben zu erwecken weiß; bisweilen gerät ihm die Darstellung des leidenden jungen Mannes dann doch einen Tick zu plakativ und holzschnittartig. Das ab und an leicht übers Ziel hinausschießende Pathos in Stimme und Musik lässt sich auch im Titel der Platte ausfindig machen: »The Story Is Complete, But I Think We’ve Lost The Book«, eine etwas überkandidelte Zeile, die symptomatisch gelesen werden darf für eine an für sich wunderbare Platte, die bloß etwas schwer an ihrem als Tiefsinnigkeit gedachten Ballast zu tragen hat.

LABEL: Devil Duck Records

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 20.07.2007

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