In lodernder Flamme verglüht

Konsequent rückwärts gewandt aber in Richtung Zukunft blickend klang ihr Debütalbum, die passenden Parolen hatten Sid und Eddy dazu auch gleich parat: »Die Trümmer deiner Stadt sind endlich verbrannt / wir machen aus der Asche einen Diamant / Stein auf Stein«. Mit deutscher mal Dekonstruktions-, mal Aufbaulyrik und harten Synthesizer-Beats brachten es Schwefelgelb in kürzester Zeit zu ansehnlicher Bekanntheit und Erfolg.

    Auf dem Hamburger Label Tapete Records erschien »Alt und Neu«, eines der musikalisch fort- wie auch rückschrittlichsten Alben des vorletzten Jahres. Einerseits klang es aufregend und neu, dabei fühlte sich ihr Neo-NDW-Entwurf aber alt und vertraut an. Der Albumtitel war schon damals prophetisch, die enorme Strahlkraft der Schwefelgelbschen Neuverortung von Synthie-Punk und NDW im 21. Jahrhundert war aber noch nicht abzusehen.

    Am 29. Oktober veröffentlichen Schwefelgelb nun ihr zweites Album »Das Ende vom Kreis« auf Tapete Records als CD und Vinyl (inkl. Download), vorab erscheint am 1. Oktober die limitierte, gelbe 7"-Single »Alle Sterne«. Dabei handelt es sich um eine mit gellenden Electro-Bleeps und hartem Drumcomputing arbeitende Rave-Nummer, ihr Thema: Universal-Erkenntnis. »Ich hab alle Fragen gestellt / Jetzt weiß ich alles über die Welt«, singt Sid (im Foto links), der bürgerlich Jonas Förster heißt und an der Folkwang Universität der Künste in Essen Elektronische Komposition studiert hat. Geschrieben und produziert hat er »Das Ende vom Kreis« alleine, weshalb das ebenfalls neue Stück »Zu Zweit« auch beim ersten Hören aufschlussreich ist.

    »Ich bin alleine / Du bist allein Komm’ / gehen wir den Weg zu zweit«, heißt es da. Ein Trennungs- bzw. Wiederfindungssong, klar. Aber gleichzeitig auch ein Erklärungsansatz für Schwefelgelb: Den Großteil des musikalischen Prozesses gestaltet Sid, maßgeblich in Sachen Grafik-Design und Live-Shows kommt sein Partner Philipp Graf alias Eddy sowie die mittlerweile vollständig in die Band integrierten Tänzer (bzw. Performer) Nyx und Hal hinzu.

    »Das Ende vom Kreis« klingt denn durch die Preset-Synthie-Beats und den stakkatohaften Sprechgesang vertraut, im Ganzen wie »Alt und Neu« stark auf Konzertsituationen und Krawall gebürstet: Mehr Tempo, mehr Abfahrt, mehr Rave – wer soll dazu auch schon auf seinen vier Buchstaben sitzen bleiben? Prototypisch dafür sind Stücke wie »Ganz egal was ich mach«, »Alle Sterne«, »Rückwärts Vorwärts« oder »Schwarz Weiss«, die einen glauben machen, die Nightliner von Audiolith und Ed Banger Records seien auf der deutschen Autobahn bei vollem Tempo frontal zusammengestoßen und in einer faszinierend lodernden Flamme verglüht.

 


STREAM: Schwefelgelb – Schwer zu verstehen (aus »Alt und Neu«)

Schwefelgelb Live:
06.10. Trier – Exhaus (mit Die Charts)
07.10. Frankfurt – Das Bett
08.10. Nürnberg – Der Cult
09.10. Cottbus – Bebel
04.12. A-Dornbirn – Conrad Sohm
15.12. A-Wien – Flex

Foto: © Axel Hoedt / Tapete Records

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