Schnipo Schranke „Rare“ / Review

Alle Songs auf Rare klingen nach Selbstkopie.

„Mama, ich hasse dich so sehr, ich mach Kapern in dein Müsli“, singen Schnipo Schranke auf ihrem neuen Album Rare, und das ist schon as wild as it gets. Dann reimen sie „chatten“ auf „MDMA-Tabletten“. Ohne kleinlich sein zu wollen, niemand nimmt wirklich MDMA-Tabletten. Das Zeug heißt Ecstasy. Also, nicht dass es einen Mangel an Musikern gäbe, die über Drogen singen, aber wer schon über Drogen singt (und auf seinem Album zwei Songs hat, in denen es um Drogen geht), könnte wenigstens richtig über Drogen singen und nicht wie möchtegern-coole Siebtklässler.

Ohne kleinlich sein zu wollen, niemand nimmt wirklich MDMA-Tabletten. Das Zeug heißt Ecstasy.

Dabei sind Schnipo Schranke eigentlich eine richtig tolle Band. „Pisse“ hatte, als der Track lange vor ihrem ersten Album kursierte, noch seinen ganz eigenen Witz: Es war intelligenter Trash, ein Feminismus, der nicht aus dem Feministisch-sein-Wollen kam, sondern eher zufällig aus der Selbstermächtigung frustrierter Musikstudentinnen erwuchs. Leider gibt Rare zu befürchten, dass der Witz mit Schnipo Schranke durch ist. Alle Songs klingen nach Selbstkopie. Sie sind zu gut produziert, um noch als verspielt-intelligenter Trash durchzugehen, aber dabei musikalisch zu uninteressant, um als Schritt aus diesem Schema heraus verstanden zu werden. Dadurch wirkt die Platte wie eine mäßig inspirierte Hi-Fi-Kopie ihrer eigenen Anfangsphase. Und „Pimmelreiter“ klingt wie „Feuchtgebiete“ als Popsong.

Insgesamt kommt alles unfreiwillig brav rüber. Das tut einem fast leid, weil es nahezu unmöglich ist, die beiden nicht sympathisch zu finden, so als Typ. Diese Mischung aus Freakigkeit, unspektakulärem Losertum und Selbstclownisierung ist wahnsinnig charmant. Aber irgendwie könnten sie genauso gut in der „Heute Show“ auftreten. Oder Teenager in ZDF-Fernsehfilmen könnten ihre Lieder mitsingen und sich dabei rebellisch fühlen – es würde niemandem wehtun. Wobei natürlich nicht jede Musik politisch revolutionär sein muss. Nur erwecken Schnipo Schranke den Anschein, als wollten sie dadaistisch subversiv sein; sie sind es aber nicht. Ihre Texte zeugen von einer einnehmenden dadaistischen Sprachlust, aber leider ist das anarchische Potenzial des Sandkastens dann doch begrenzt. Schade.

Zitat: Ohne kleinlich sein zu wollen, niemand nimmt wirklich MDMA-Tabletten. Das Zeug heißt Ecstasy.

1 KOMMENTAR

  1. Bei mir heisst das auch MDMA. Ecstasy und Zeug hört sich dagegen für mich ganz und gar nach ZDF an. Finde es eher um den Artikel schade. Der ist im Gegensatz zu „rare“ nämlich wirklich einfältig, gibt aber vor zu wissen wie revolutionär und dadaistisch in der Musik auszusehen habe.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here