S O H N

S O H N (FOTO: Andreas Waldschütz)
Fernab der Londoner Musikblase schleicht S O H N durch die österreichischen Wälder   FOTO: Andreas Waldschütz

Der Berg und der Nachtbus, analoge Geräte und digitale Kanäle – auf der Klaviatur des Tumblr-Pop lässt S O H N kaum eine Taste aus. Die Melodie aber, die er spielt, ist zeitlos; unter dem Zeitgeist schimmert Substanz. Das macht den Wahlwiener mit Londoner Wurzeln zu einem der vielversprechendsten Newcomer im magischen, räusper, Dreieck zwischen R’n’B, Elektronik und Indiepop. Nenn es nur nicht »alt«. Denn es ist ein neuer Tag.
    S O H Ns Debüt-EP The Wheel ist eine ganz erstaunliche Platte. Man müsste sie eigentlich langweilig finden, überflüssig, ein bisschen ärgerlich. An bleichen Blog-Barden, die sich mit ätherischem Nölen und verwaschenen Querverweisen auf 90er-R’n’B und Ravekultur kopfüber ins Alt-Pop-Universum stürzen, herrscht dieser Tage schließlich kein Mangel. Aber The Wheel ist nicht ärgerlich. Sondern ganz und gar fantastisch. Alle drei Stücke entwickeln einen unmittelbaren Sog, der einen auch dann nicht loslässt, wenn sich Hall und Rauch verzogen haben. Simple Synthie-Läufe, polyrhythmische Spielereien, eine Stimme voller Distanz und Soul. Lieder, die nach Einsamkeit klingen und nach dem Zauber eines klirrend kalten Herbstmorgens.
   All das hat dem gebürtigen Briten in den letzten Monaten beträchtliche Aufmerksamkeit eingebracht. Der Soundcloud-Zähler tickt unermüdlich, die Blogs überschlagen sich in ihren Lobgesängen und auch Lana Del Rey hat schon einen Remix geordert. S O H N begegnet der Aufregung mit Wiener Gelassenheit. »Die Industrie hat mich nie sonderlich interessiert. Ich gehe auch nie auf Blogs. Das ist einfach nicht meine Welt.« Seine Welt, das sind die Berge. Vor einigen Jahren zog S O H N zu seiner Freundin nach Österreich, auch weil er genug hatte vom ständigen Vielleicht und Irgendwann der Londoner Musikblase. Hier fand er Ruhe und Inspiration nach diversen eher fruchtlosen Jahren in unterschiedlichen Bandkonstellationen. »S O H N war für mich ein Neuanfang. Deswegen auch der Name: Ich habe mich wie mein eigener Sohn gefühlt.«
   Über seine Vergangenheit schweigt er sich denn auch gründlich aus (»Projekte«, »dieses und jenes eigentlich«, »ganz anders irgendwie als das, was ich jetzt mache«). Biografische Eckdaten wie Name, Alter, Lieblingsfarbe und seine musikalische Sozialisation verweigert er mit schmunzelnder Nonchalance. Die nahe Zukunft geht er ähnlich gelassen an. Ein Album wolle er erst dann aufnehmen, wenn es eben dringlich sei. Das Schreiben und Produzieren falle ihm momentan ohnehin sehr leicht. Planwirtschaft ist seines nicht. Lieber hört er auf sein Gefühl – und auf Fleetwood Mac. »Ich schließe gerade meinen Frieden mit einer Menge von Musik, die ich früher gehasst habe. Erst gestern habe ich ›Dreams‹ im Radio gehört. Früher hätte ich mir das nie eingestanden, aber das ist ein verdammt guter Song.« Soll ten junge Musiker das in 30 Jahren einmal über die Songs von The Wheel sagen, es wäre gewiss nicht das Schlechteste.
   (Mittlerweile hat S O H N den neuen Song »Bloodflows« veröffentlicht und drei Konzerte in Wien, Berlin und Feldkirch bestätigt – siehe unten.)

S O H N
THE WHEEL
AESOP

S O H N live
12.04. Wien – Sound:Frame Festival
13.04. Berlin – Prince Charles
03.07. Feldkirch – Poolbar Festival

5 KOMMENTARE

  1. […] es hier eingeben. Gerade zufällig über meine Twitter-Timeline zu Spex geführt worden. Dort ein Artikel zum Künstler. Und mein erster (?) Like auf Soundcloud. Muss mich damit jetzt auch beschäftigen […]

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