Review: Yeah Yeah Yeahs Show Your Bones

Geheiligt seist du, Karen O! Für deine Grimassen und Verrenkungen auf der Bühne. Für deine Stimme in der schönsten Werbeminiaturmusik der letzten 2000 Jahre (»Hello Tomorrow« zusammen mit Sam Spiegel aka Squeak E. Clean, angeblich der Bruder deines Lovers Spike, oder?). Geheiligt seist du, Karen O! Dafür, mich dank deiner Kollaborationslust auf Har Mar Superstar gestoßen zu haben (bekannt auch durch die großartigen Sean Na Na). Geheiligt seist du, Karen O! Für »Maps«, den Song, der selbst das stumpfe MTV zu eurem Forum gemacht hat. Für »Fever To Tell« an sich, rückblickend ein brillantes Album. Geheiligt seist du also, Karen O! Auch für die beiden Typen, die du an deiner Seite duldest. Sollen sie dir Songs schreiben und arrogant sein wie eine Herde Giraffenantilopen, undurchschaubaren Blickes sachlich-fachlich den introvertierten Mucker raushängen lassen, die Chefin, das bist doch du. Aber ein wenig gilt es wohl auch, euch dreien gemeinsam zu huldigen. Dafür, dass ihr euch getraut habt, diesen einen Schritt weiter zu gehen, vor dem sich immer alle Fans fürchten. Warum eigentlich?
    Im ersten Durchgang hat mich »Show Your Bones« ein wenig irritiert. Zu glatt, zu Mainstream, zu gewöhnlich? Wo sind die Ecken, wo die Kanten geblieben? Angst. Geht Authentizität nur in schrill, schroff, rau und quietschig ? und hier gerade eine Lieblingsband den Majorbach hinunter? Das Gegenteil ist der Fall. Um dies beruhigt zu erkennen, brauchte es bloß ein paar Durchläufe mehr. In den elf Songs steckt Vielfalt: die Gelassenheit in der Strophe von »Gold Lion«, das klassisch YYY-mäßige in »Way Out«, das Kaputte in ausgerechnet »Fancy«, das phänomenal Minimalistische in »Phenomena«, das kurzzeitige Marschgetrommel in »Honey Bear«, das unheimlich Hittige in »Cheated Hearts«, das Kinderlied-artige in »Dudley«, der Trash von »Mysteries«, das »wie-ein-Lagerfeuer-auf-dem-Dachboden«-Gefühl von »Sweets«, das Verwunschene von »Warriors« und das sich erst sachlich, dann allumspannend zum Ende hin erhebende »Turn Into«.
    Auch wenn hier ab und an das Wörtchen »Hit« gefallen ist, genau davon handelt »Show Your Bones« eben nicht. Es ist keine Überplatte, ganz im Gegenteil, gelegentlich scheinen die Songs vom Aufmerksamkeitsradar kaum erfasst zu werden. In Wahrheit verlangen sie trotz aller Einfachheit Beachtung. Übermäßige Tiefe soll ihr großes Plus nicht sein, es ist vielmehr die Direktheit in der musikalischen Organisation dieser Band – wenngleich es durchaus auch mal kleine Feinheiten zu entdecken gibt, die dich fesseln.
Am Ende, nach drei, vier Versuchen jedenfalls, zeigt diese Platte ihr Innerstes, ihre starken Knochen. Oh, Yeah Yeah Yeahs!

LABEL: Polydor

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 24.03.2006

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