Review: Ty Segall Sleeper

Albumcover zu Sleepers von Ty Segall

TY SEGALL
SLEEPER
DRAG CITY / ROUGH TRADE – 23.08.2013

60s-Psycho-Garage-Wunderling Ty Segall schläft nicht. Wie könnte er auch, nimmt doch sein künstlerischer Output langsam Picasso’sche Dimensionen an. Im vergangenen Jahr stellte sich der 25-Jährige der Mammutaufgabe, drei Langspieler innerhalb von weniger als zwölf Monaten zu veröffentlichen. Hair in Kollaboration mit White Fence, Slaughterhouse mit der Ty Segall Band sowie Twins, sein sechstes Soloalbum. Außerdem in Arbeit: eine Platte mit Segalls neuestem Projekt Fuzz. Es wirkt, als schreibe er um sein Leben.
Nun ist Quantität selten beeindruckender als Qualität, aber Segall vollbringt das Kunststück, das Niveau konstant hochzuhalten. Und sich sogar noch zu übertreffen. Das zuletzt veröffentlichte Twins war seine beste Arbeit des Jahres 2012. Und kaum ein Jahr später nennt ausgerechnet dieser rastlose Junge aus San Francisco sein siebtes Soloalbum Sleeper? Nun, in Segall’scher Zeitrechnung kann man bei zehn Monaten Release-Abstinenz beinahe von einem Comeback sprechen – dennoch: reine Koketterie.
Auf Sleepers widmet sich Ty Segall zwar mehr seiner akustischen, reflektierten, samtigen Seite, büßt jedoch nichts an Präsenz ein, und auch sein Biss bleibt uns erhalten. Er nennt das »Ty-Fi« und lässt sich nur noch in wenigen Momenten zu Noise-Feedback-Stürmen hinreißen (so bei »Queen Lullabye«). Eingespielt hat der talentierte Mr. Segall alle Instrumente selbst. Er hätte diesmal keinen lauten, heavy Song schreiben können, sagt er, selbst wenn man ihn dafür bezahlt hätte. Das mag mit dem Tod seines Adoptivvaters zu tun haben, dem er das Album widmet, und mit dem folgenden Bruch mit seiner Mutter.
Nachdenkliche Momente gibt es zur Genüge auf Sleepers, Unbeschwertheit hört sich anders an, aber von Softietum ist Segall weit entfernt. Er zeigt seine zornige Seite, es bluest (»Sweet C.C.«) und garaged (»The West«) noch immer gehörig, auch wenn die Platte beinahe komplett akustisch gehalten ist. Schräge Harmonien und Streicherarrangements unterstützen Segalls Psycho-Charme, und das Hippiemantra wird in »The Keepers« gleich mitgeliefert: »Let your hair grow! Be what you be!« Ty Segall beweist damit erneut sein Gespür für die unauslöschliche Melodie, berichtet von Träumen und singt von Wiegenliedern, ohne schläfrig zu werden oder zu machen. Vielleicht würde es sich genau so anhören, wenn Black Rebel Motorcycle Club auf einer Acid-Party auf Donovan träfen.

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