Review: Trans Am Liberation

Trans Am waren schon immer so etwas wie das Missing Link zwischen der Liebe zu artifizieller Musik und trotzdem Slayer gut finden. Früher nannte man so etwas Postrock, heute heißt das wohl verspielt oder in Hinblick auf die Bandgeschichte: linientreu. Denn was man ihnen auf jeden Fall zu Gute halten kann, ist, dass sie die musikalische Kurve zwischen diesen beiden Polen schon sehr lange kriegen und dabei trotzdem nicht langweilig, sondern verlässliche Vertraute werden. Allerdings kann bei der Fülle an Material – und dieses ist bereits der siebte Langspieler – natürlich nicht jedes Album zu den besseren gehören. Von allen bisherigen Trans Am-Alben ist »Liberation« deshalb wohl am ehesten gutes Mittelfeld und klingt wie eine Trans Am-Best Of, bei der jemand vergessen hat, die richtigen Abgeh-Stücke mit aufzunehmen. Vermutlich liegt diesem Eindruck die besondere Herangehensweise zu Grunde, die sich beim Hören nicht gleich erschließt. »Liberation« ist ein eher nachdenkliches Album geworden, das sich mehr darum bemüht, den Inhalten Stimmungen beizumengen, indem man z.B. im Studio bei offenem Fenster aufnimmt, um etwa Polizeisirenen einzufangen, als dass es sich darum schert, laszive Tanzknaller zu liefern. Denn dieses Album ist quasi das musikalische Abbild einer nächtlichen Autofahrt durch die Bandheimat Washington, die sich in den letzten Jahren durch die politische Situation zu einer übergroßen Überwachungsanlage gemausert hat. Entsprechend beklemmend klingt das dann auch.

LABEL: Thrill Jockey

VERTRIEB: EFA

VÖ: 16.02.2004

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here