Review: The Teenagers Reality Check

›Schrumm schrumm schrumm‹ dudelt die Gitarre von Pulp, ›Huhüüü‹ hauchen Air einen Chor hinterher, der nächste Jarvis französischer Färbung hebt seinen Sprechgesang an. Als jetzt auch noch der Synthie-Sound glauben lässt, man befände sich in einer Achtziger-Bubblegum-Popblase fällt der Blick auf den Waschzettel. Auf ihm hat die Plattenfirma charmanterweise keine Bands als wichtigste Einflüsse versammelt, sondern Party und Pubertät, Wodka und Speckröllchen als Referenzrahmen genannt. Realitätscheck also nicht als soziologische Studie, sondern als Triebbeschreibung der eigenen Adoleszenz.

    Allerdings, die drei Pariser Quentin Delafon (Vocals), Dorian Dumont (Gitarre und Tasten) und Michael Szpiner (Bass) sind zwar LP-Debütanten aber eben auch in ihren Zwanzigern, was an Stelle von Unmittelbarkeit eben auch Ironie und damit Berechnung treten lässt. Ein Duett über eine Urlaubsliebe zum Beispiel. Er: »I loved my american girl« – Sie: »I lost my english romance«, aber – vom Akzent irritiert hört man genauer hin – der Realitäts-Check ergibt: tatsächlich singt er »I fucked my american cunt«. Ach so!

    Hier werden der Generation, die mit Paris Hilton aufwächst, deutliche Worte in den Mund gelegt, nicht ganz ohne Häme. »Fuck Nicole« heißt die Hommage an Hiltons Gespielin Nicole Richie: »Your Room is a mess / I’m not impressed / but then you have / the cutiest dress / the world is not fair«. Schön, aber dann schmeißen sich die Teenagers doch noch an ihre Großeltern ran, zitieren in »Sunset Beach« kurz die Beatles und reiten ansonsten auf dem Rezept ihrer an sich beachtlichen Single »Homecoming« herum.

    Schrummschrumm-Gitarre, Chor, Sprechgesang, immer wieder, wie ein Teenager, der seinen ersten erfolgreichen Anmachspruch unendlich wiederholt, ohne sich zu fragen, warum der Erfolg immer weniger wird. The Teenagers bräuchten noch ein, zwei Alben Erfahrung, oder auch nur einen Komponisten, dem mehr einfällt als potentielle große Popmomente ständig trotzig wegzugrummeln. Ihr Händchen für Formulierungen und atmosphärische Snapshots wäre es wert.

    In »French Kiss« kollidieren die Generationen auf fast unheimliche Weise, wenn Quentin säuselt: »Du und ich, alleine in deinem Zimmer, wir gucken ›Dirty Dancing‹. Wenn deine Mutter jetzt hier wäre, würde sie sagen: alles ist perfekt!‹ Zum Glück ist sie es nicht.« Das hat was von einem Hörbuch, zwölf Tagebucheinträge aus der engen Existenz zwischen MTV und der eigenen Realität, im steten automatischen Abgleich zum Bildschirm. Das hier ist die erweiterte Perspektive der Älteren, eher ein distanzierter Soundtrack über eine abgeschlossene Periode, hier klebt ein frisches Pflaster über längst vernarbten Wunden. Es sollte sich eben niemand Teenager nennen, der es nicht mehr ist.

LABEL: XL Recordings / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 14.03.2008

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