Review: The Polyphonic Spree The Fragile Army

Die Fischerchöre der Indie-Psychedelik sind wieder da. Es ist wie immer: The Polyphonic Spree feiern lebensliebende statt gottesfürchtige, soziale statt sakrale Weisen des Zusammenseins mit eben den Mitteln von Gottesfurcht und Sakrosanktos. Neben den üblichen Pop-Instrumenten fahren sie Harfen und jauchzende Fanfaren auf und gehen auch mal in den fünfstimmigen Satzgesang, wenn es besonders erhaben klingen soll. Die Songs sind super: Schon »Running Away« hat diesen Rock-Flow und strahlt in einer Melodie, die ständig »Kommst du mit?« zu fragen scheint. Es folgt dann »Get Up And Go«, ein zum Maximalen aufgeblasener Rocker, vollgestopft mit Toms. Der Titelsong schließlich steht ganz in »Lucy In The Sky With Diamonds«-Tradition mit seinem einlullenden Beginn und der hymnischen Auflösung im Refrain.

    Sowieso überwältigen The Polyphonic Spree schnell zum Mitsingen, dafür schreiben die beiden Songwriter des 24-köpfigen Chor-Orchesters, Julie Doyle und Tim deLaughter, einfach viel zu gute, erwärmende Melodien. Und Konzepter-at-large DeLaughter hat seine Arrangements auch gut im Griff, gerade die sensiblen Gesangsharmonien ziehen sanfte Kitzeleffekte nach sich. Weitere, bisher noch nicht genannte Hits für das nächste Flaming Lips / Mercury Rev-basierte DJ-Set sind etwa »Guaranteed Nightlife« mit seinen vom Piano her getriggerten, krassen Rhythmuswechseln oder das straighte »Watch Us Explode«. Doch auch wenn diese Platte schon wieder von vielen Songs bevölkert ist, die ich mir als Einzel-Downloads sofort kaufen würde: The Polyphonic Spree hätten sich etwas mehr einfallen lassen müssen, sollten sie wirklich eine Liebe für das Album als Format haben. Der Wechsel von den bunten Roben früheren Zeiten zu schwarzen Anzügen mit Herzchen drauf mag zunächst ganz charmant wirken, wenn sich der Sound allerdings gegenüber »The Beginning Stages Of…« und »Together We´re Heavy« so wenig ändert, dann wirkt der Kostümschwank wie eine unbedeuteunde, kosmetische Geste. Eine DVD mit Making Of des Albums macht da auch keine Butter bei die Fische. Doch, Kleinkram. So mäkelt nur ein Fan der besten Showband unter Petrus´ Pforte.

LABEL: Institute Recordings

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 24.08.2007

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