Review: Studio West Coast

Studio, der Name der Band, ist der Ort, das Studio, in dem die Kunststudenten Dan Lissvik und Rasmus Hagg ihre Musik aufnehmen. Information, die Firmierung ihres eigenen Labels mit Sitz in London – alles- und nichtssagend zugleich. Neutralität, Offenheit, Geheimnis, mit diesen Wörtern spielen Lissvik und Hagg auch auf dem Cover von »West Coast«, ihrem Debütalbum: ein weißer Kreis auf schwarzem Grund, der direkte Verweis auf den Inhalt, die CD oder die Langspielplatte, und eine Hommage an Factorys Hausdesigner Peter Saville, den beide verehren. In endlosen Sessions spielen sie vor sich hin, und so erklärt sich auch die auffällige Überlänge der meisten ihrer Stücke. Ganze sechs passten auf »West Coast«, aus dem 16-minütigen »Out There« machen andere Bands mindestens vier Stücke.

    Dan und Rasmus lieben die Trance-Zustände, in die sie sich in extrem langen Sessions in ihrer Heimatstadt Göteborg spielen. Es entstehen kleine, elektronische Symphonien, die in fünf bis sechzehn Minuten eine ganze Klaviatur der Ausdrucksformen elektronischer Musik durchspielen. Alternative Wege, die jeder Song einschlagen kann, werden integriert, nicht ausgelassen und dem Hörer vorenthalten, oder gar erst im nächsten Song aufgenommen.

    Somit ist »West Coast« fast ein Live-Album geworden, das, nur leicht editiert, den Hörer am Kompositionsprozess, dem Ausbleiben von Entscheidungen und einer umfassenden Betrachtung und Umarbeitung gefundener Harmonieabfolgen, den Gegensätzen von sehr langsamen, langsamen und Parts in mittlerem Tempo teilhaben lässt. Wir denken nach Ewigkeiten des Hörens von »West Coast« an die späten achtziger und die frühen neunziger Jahre, an die Happy Mondays und The Charlatans, an Kongas, Bongos und Wah-Wah-Gitarren, und immer wieder an die instrumentalen Album-Interludes der Manchester-Supergroup Electronic, die Johnny Marr und Bernard Sumner eine zeitlang betrieben. Live erinnert Haggs Zeitlupen-Jogging am Mikrofon an die entrückten Bewegungen des Tänzers der Happy Mondays, Bez, oder Ian Browns (The Stone Roses) stoisches Federn. Kurze Slogans, Fetzen von Geschichten und Wortspiele werden kurz und formelhaft, total verhallt, repetitiv rezitiert: »So good… So good…« …

LABEL: Information / PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 06.07.2007

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