Review: Sole The New Human Is Illegal

Rastlosen Schrittes, aus Liebe zu HipHop ohne Grenzen, die Rage against the machine auf den Schultern und eine käseweiße Physiognomie vor sich her tragend, die ausgerechnet Malcolm Middleton von Arab Strap ähnlich sieht, ist Tim Holland aka Sole durchgebrannt. Hat (im Gegensatz zu ebenfalls solo gegangenen Kollegen wie Why und Odd Nosdam) der mitgegründeten Anticon-Blase widerstanden, um als man’sbestfriend frische Kreise zu ziehen. Sein Anfang: Morr Music. Andere Liga, aber auch gut, für alle Seiten. Was er mit neuer Rückenstärkung dem Gegenwind vor den Latz knallt, hat’s nämlich in sich. Wie eine letzte Mahnung. Schluss mit lustig. Ecce homo.
Apropos: Bildungs-Antibürger, der er ist, hat Sole als meistgeschätzten Dichterphilosophen mal Nietzsche angegeben. An den galt es sich möglicherweise zu halten, als er mit »The New Human Is Illegal« die eigene Unruhe eingespielt hat. Manische Tracks, mit kollabierenden Beats, unterdrücktem Songwriting und atonalem Nervengift aus dem Laptop bestückt. Pop ist definitiv was anderes. Und so ist es gemeint. Auch die von Pole gemasterte Krisselmatrix hilft dabei, Wände hochzugehen, die man nicht einreißen kann, während Sole (nicht Pole) mit spitz gefeilten Worten gegen etwas anrennt, das irritierend groß ist: der Komplex Kapitalismus ? Kriege ? Selbstzweifel ? Existenzängste ? Dummheit, unter kritischen Vortheoretikern »die Scheiße halt« genannt. Viel Stoff. Aber so ist das in der Politik und Liebe eben: You don’t have to be cool. Sozusagen runder hat diese prinzipiell aus Kanten bestehende Platte natürlich genauso wenig zu sein. Allerdings stehen die paar Momente von Flow, Dancehall und Reggae der rauen Ästhetik ausgezeichnet. Als wären sie nicht das schlechteste Mittel gegen den von Sole verdammten Unrat. Na ja.
Genug gekämpft für heute. Man hört sich wieder. Und wieder.

LABEL: Morr Music

VERTRIEB: Morr Music

VÖ: 08.03.2004

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