Sinkane Mean Love

Sinkane schichtet auf Mean Love R’n’B, Soul, Afrobeat, Funk und sogar Country neben- und übereinander, was nicht immer funktionieren will, dafür aber Hits zum Umarmen produziert. 

Geschichte kommt von Schichten. Der New Yorker Ahmed Abdullahi Gallab alias Sinkane zumindest liefert auf seinem dritten Album einige Belege für diese These. Mean Love demonstriert den historischen Prozess, der damit verarbeitet wird, gleich im ersten Song »How We Be«: Beginnt das Stück zunächst wie eine avancierte, von jüngerer Bassmusik beeinflusste R’n’B-Nummer, schiebt sich schon nach den Anfangstakten ein traditioneller Soul-Bass unter die Beat- und Elektroniksplitter, um wenig später mit zurückhaltenden Funk-Bläsern angereichert zu werden. Ein Nebeneinander verschiedener Dekaden und zugleich alles ineinander verschränkt.

Für Mean Love wurden, ähnlich wie zwei Jahre zuvor bei Mars, auch eine Reihe von Afrobeat-Spuren verarbeitet. Dass sie nicht maßstabsgetreu nach den klassischen Vorbildern abgepaust werden, liegt an der Produktionsweise der Platte. So könnten die transparent polierten Sounds auf den ersten Eindruck an digitale Studiotechniken der Achtzigerjahre denken lassen. Die hallenden Stimmen und Gitarren hingegen passen eher zu Soul- und Pop-Produktionen aus den Jahrzehnten davor. Diese gebrochenen Mischungsverhältnisse, seien sie akustischer oder stilistischer Art, bestimmen das gesamte Album: Das Titelstück ist eigentlich eine klassische Soul-Nummer, wären da nicht diese Country-artigen Slide-Gitarren. In »Yacha« bekommt ein waschechtes Stevie-Wonder-Clavinet einen Gastauftritt, gefolgt von einem Riff in der Manier von Curtis Mayfields »Freddy’s Dead«, bevor Afrobeat und Reggae den Song übernehmen. An anderer Stelle mischen sich Country- und Reggae-Einflüsse.

Sinkane geht es dabei im Grunde um Integration mit den Mitteln von Musik: Lassen sich Dinge zusammenbringen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, durch Sinkanes Hörbiografie aber in einer persönlichen Verbindung zu ihm stehen? Eine typische Popstrategie sozusagen. In seinen Bemühungen steht er keineswegs allein da, unter anderem bekam er Verstärkung von Damon Albarn, David Byrne und den seit kurzem wieder aktiven nigerianischen Lijadu Sisters. Dass Sinkane sich an verschiedenen integrativen Ansätzen probiert, heißt selbstverständlich nicht, dass er darin ausnahmslos erfolgreich sein muss. An manchen Resultaten dürfen durchaus Zweifel angemeldet werden, etwa wenn im abschließenden »Omdurman«, benannt nach Sinkanes sudanesischem Geburtsort, eine schunkelige Kirmesorgel den Refrain zum echten Toleranztest macht. Trotzdem: »Hold Tight« ist mit seinem fast unanständig verschlurften Bass ein Sommerhit, den man sofort in die Arme schließt.

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