Review: Now It's Overhead Fall Back Open

Wer bereits das selbstbetitelte Debüt von Now It’s Overhead aus Athens, Georgia kennt, braucht keine langen Lobeshymnen, um sich sofort für das neue Album zu interessieren. Zu gut war diese Platte. Enttäuscht wird auch hier niemand. Im Gegenteil.
NIO sind (aber irgendwie auch mehr als nur) ein Projekt. Ein junger Mann namens Andy LeMaster schart mit Schlagzeuger Clay Leverett und den bezaubernden Orenda Fink und Maria Taylor von Azure Ray drei Menschen um sich, die ihm helfen, seinen Wunsch zu formulieren, düster-melancholische Popskizzen zu schreiben, die eigentlich in jeder Sekunde ausformuliert wirken. Projekt/Band, Skizzen/ausformuliert? Es hagelt Widersprüche.
Auf »Fall Back Open« gibt sich die Idee dieser Band in nur zwei Jahren um mindestens zehn gereift. Flott beginnt das Album seine neun Songs andauernde Reise. Ein treibender, gar getrieben klingender Rhythmus, gefolgt von dem leicht getragenen »Surrender«, das mit am besten die von Melancholie und Pop besessene Seele von NIO verdeutlicht. Irgendwie erinnert mich das alles an New Order oder Depeche Mode (wegen der Elektronik) als amerikanische Country-Songwriter-Landeier (wegen der Stimmung) mit Michael Stipes verstoßenem Bruder (wegen der Stimme und dem Leid; Stipe selbst singt wie Conor Oberst auch einmal im Background) am Gesang. Das erste Mal ohne Rhythmusgruppe kommt erst Stück Nummer sechs um die Ecke, »The Decision Made Itself«, das sofort auf jede traurige Leben-retten-Compilation gepackt gehört. Groß. Wie der Rest der Platte, die klingt wie schwarzer Schmerz, den man gerne bereit ist zu ertragen. Weil wir leidensfähig sein müssen. In Zeiten wie diesen.
»In the back of my head there is time.« Der Schlüsselsatz, nicht nur für diese Musik.

LABEL: Saddle Creek

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 12.04.2004

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