J Mascis Tied To A Star

J Mascis altert auf dem (semi)akustischen Tied To A Star mit Würde und schreibt Songs, die einen mit ihren molligen Harmonien durch den kältesten Novemberregen bringen. 

Dieser Tage erschien das erste akustische Soloalbum von Roger »Buzz« Osborne, uns allen bekannt als King Buzzo von den Melvins. Joseph Donald Mascis Jr. alias J Mascis von Dinosaur Jr. ist eineinhalb Jahre jünger und Tied To A Star seine zweite (semi)akustische Veröffentlichung unter eigenem Namen. Was diese beiden Musiker außer expressiv-weißgrauen Langhaarfrisuren und Legendenstatus verbindet, würde ich im Indierock-Wer-wird-Millionär-Kontext als 1000- oder 2000-Euro-Frage ansetzen. Es handelt sich um das nochmals bekanntere Trio Nirvana: Buzzo war Cobains lebenslanges Idol und J wurde von eben jenem erfolglos als Drummer angefragt. Gesetzt den Fall, es wäre andersrum gewesen, wären Nirvana sicher weniger explodiert, der Kurt aber möglicherweise noch am Leben. Behaupte ich jetzt einfach mal so und ziehe Tied To A Star als Beweis heran.

Wie fast alles, was der unbeugsamste Langhaarträger der Indiewelt je veröffentlicht hat, insbesondere aber alles seit der harmonischen Reunion der Dinosaur-Urbesetzung vor neun Jahren, ist auch dieses Album ein friedensstiftendes Monument der blumenkindermäßigsten Sorte. Es muss noch einmal in aller Klarheit gesagt werden: So ikonisch-genialisch-elektrisch-brachial die beiden (fast) 50-Jährigen den Rock nahezu zeitgleich gerettet und weiterentwickelt haben und so unbeugsam-unabhängig-unpeinlich sie ihr Ding weiter durchziehen, also so viele eindeutige Parallelen es zwischen Buzzo und J auch gibt, könnten die dazugehörigen Persönlichkeiten doch kaum unterschiedlicher sein. Ja, die Melvins waren die aufregendere, innovativere Band. Aber spätestens jetzt, da hier wie dort auch mal der Stecker gezogen wird, zeigt sich in aller Deutlichkeit, wo die Musik spielt.

Dass Tied To A Star auch als ideenlose Klampfenversion der letzten (oder auch: aller) Dinosaur-Jr.-Alben bezeichnet werden könnte – genau das ist es! Mascis’ Songs funktionieren, wie hier aufs Herzerwärmendste zu hören, eben auch mit weniger bis keinem Strom, so voll sind sie von molligen Harmonien und – was sonst? – dieser flehend-schluffigen Stimme, die dich durch jeden Blues und den kältesten Novemberregen bringt. Das alles mit einer Handvoll kaum zu bemerkender Gäste: Ken Maiuri, Pall Jenkins , Mark Mulcahy und Chan »Cat Power« Marshall.

King Buzzo, vergib mir! Es geht nicht darum, dich hier herabzuwürdigen. Aber deine Soloskizzen braucht die Welt genauso wenig wie die letzten drei antipathisch hingerotzten Alben der Melvins. Von diesem einzigartigen Kollegen dagegen können wir jedes Jahr mehr inneres Om lernen, egal ob es nun darum geht, sein Trio gut gelaunt zusammenzuhalten, in Würde zu altern oder ganz bescheiden unsterbliche Musik zu machen, die, würde man sie im Dauerloop über dem Nahen Osten laufen lassen, alle Probleme von ganz allein regeln könnte. Abie-Nathan-Preis für Mascis!

1 KOMMENTAR

  1. King Buzzo, vergib mir! – ich muss die wahrheit sagen, die ich mit löffeln gefressen hab. ich schreibe für das wichtigste aufklärungsorgan des deutschen musikjournalismus und ich bin der einzige der weiß, dass deine platten kein inneres om enthalten, aber das innere om ist so irre wichtig, gerade hier bei uns in berlin. da tun uns deine harschen und wirren gitarrenklänge ganz schön weh, ja, ich würde fast sagen, sie sind, sie sind, ja, sie sind ANTIPATHISCH HINGEROTZT. so, jetzt ist es raus! antipathisch. (findet man im duden in der sektion „bildungssprachlich“)

    lieber holger: wenn ihr die letzten drei platten der melvins im dauerloop über dem nahen osten laufen lasst, werden sich dort auch alle probleme von ganz allein regeln, glaub ma.

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