Review: I Love You but I've Chosen Darkness Fear Is On Our Side

Nach den The-Bands kommen nun also die Phrase-Bands. Eine davon heißt I Love You But I’ve Chosen Darkness, kommt aus Austin in Texas und hat gute Bandshirts ? sich aber ein schlimmes Coverdesign ausgedacht: ein umgedrehtes Kreuz in einem Herz. Das erinnert an HIMs »Love Metal«. Es ist aber kein Humor im Spiel: ILYBICD spielen sehr ernsthaft den NeoNewWave-Stiefel herunter ? etwa zwischen der ersten Interpol-Platte und den Editors, angetrieben von den üblichen Referenzen und garniert mit Postrock-Ambitionen. Der Trick ist dabei, diesen respektvoll reanimierten Sound noch mit einer extradicken Schicht Eis zu überziehen. »Fear Is On Our Side« ist so kalt, dass es selbst in den Momenten harsch knirscht, in denen man über einen Brocken Pop stolpert, und so düster, dass es fast unmöglich scheint, diese Aneinanderreihung und Übereinanderschichtung von Flächensound und einer eher atmosphärisch als erzählerisch eingesetzten Stimme in handliche Stücken aka Songs zu unterteilen. Das Unbehagen fließt einfach so vor sich hin: ästhetische Freudlosigkeit, schicker Zynismus, echte Black Music, also scary music.
ILYBICD machen es einem nicht leicht mit der Sympathie. Dass dieses Album im herkömmlichen Sinne schön ist, lässt sich nicht verleugnen, trotzdem haftet »Fear Is On Our Side« auch etwas fast eklig Romantisches, etwas gruselig Pathetisches und dabei doch eine Art herzloser Pedanterie an. Wahrscheinlich ist es die selbstsichere Distanz, aus der diese Band Unbehagen und Schmerz verhandelt, ohne sich jemals offensichtlich vom Missempfinden überrumpeln zu lassen, die letztendlich verhindert, dass einen »Fear Is On Our Side« wirklich so packt, wie es The Cures »Faith« oder Interpols »Turn On The Bright Lights« schafften. Vielleicht braucht dieses Album auch nur Zeit.

LABEL: Secretly Canadian

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 10.03.2006

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