Stream: DENA Flash

DENA Flash
DENA

FLASH
NORMAL SURROUND / !K7
ALBUM – 14.03.2014

Frische Self-empowerment-Figur oder öde Haus-auf-Maus-Reimerin? Die Rezension zu DENAs Debütalbum Flash, das es nun auch im Stream gibt.

Es war im Sommer 2012, als DENA mit ihrem Video zu »Cash, Diamond Rings, Swimming Pools« zum YouTube-Star avancierte und als eine der Neuentdeckungen des Jahres gefeiert wurde. Im Clip sah man die bulgarischstämmige Berliner Rapperin mit stoischem Blick und Goldkette über den Flohmarkt auf dem Parkplatz eines Neuköllner Baumarkts schlendern, mit türkischen Verkäuferinnen posieren und zwischen unmodischen Paillettenkleidern rappen. Eine recht schlichte Idee, die visuell überzeugte und frisch genug umgesetzt war, um über die Mittelmäßigkeit der Songproduktion hinwegzutäuschen.

Nun, eineinhalb Jahre und ein paar weitere hübsche Videos später, erscheint Flash, das Debütalbum von DENA, und man wünscht sich beim Hören immer wieder, man wäre nicht allein der Musik überlassen. Die ist nämlich nur noch im besten Fall mittelmäßig und die meiste Zeit entweder nervtötend oder zum Gähnen öde.

Das ist schade, denn mit ihrem aufdringlichen slawischen Akzent und den stylischen 90er-Jahre-Outfits ist DENA eine interessante Erscheinung. Für das tolle Video zu »Guest List« etwa (der Song ist auf dem Album nicht enthalten) ließ sie eine bulgarische Hochzeit, Hochhaussiedlungen und wartende LKW-Fahrer an den Landesgrenzen filmen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um sogenannte »Armutsflüchtlinge« aus Südosteuropa birgt Dena mit ihrem »Haters gonna hate«-Prinzip das Potenzial, zu einer Self-empowerment-Figur zu werden.

In musikalischer Hinsicht kann man auf Flash aber so gar nicht flashen. DENAs Haus-auf-Maus-Reime scheinen sich hinter einer Old-School-Hommage und wiederum Referenzen an die 90er-Jahre verstecken zu wollen (etwa wenn sie für »You Wish« den Skee-Lo-Hit »I Wish« von 1995 aufgreift), doch auch dafür reicht es nicht, denn ein eingängiger Flow ist durchweg abwesend. Zum Glück beschränkt sich DENA nicht allein aufs Reime-Droppen, sondern wechselt gern und häufig zu Gesang – was stimmlich nicht gerade entzückt, aber immerhin. Die Beats sind ganz passabel, plastisch und setzen auf viel pathetisches E-Piano-Geklimper. Inhaltlich beschränkt sich DENA indes auf absolute Binsenweisheiten und streut leider zu selten ein ironisches Augenzwinkern zwischen die Zeilen, sodass ein Großteil des Albums in unfreiwilliger Komik untergeht.

Ohne die visuelle Komponente funktioniert DENA einfach nicht, weshalb man sich lieber auf den Konsum von YouTube-Videos beschränken sollte, als erwartungsvoll das Album zu pumpen. Denn das Beste an Flash ist: Nach 31 Minuten ist es schon wieder vorbei.

SPIEGEL Online streamt Flash derzeit in voller Länge.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here