Anstam Names

Plötzlich ist da Gesang: Anstam veröffentlicht am Freitag sein neues Album, Names. Doch sag, Lars Stöwe, wie hältst du es mit der Nostalgie?

Lars Stöwe alias Anstam liebt die dramatische Geste. Wenn er sich in seinen Produktionen der Bassmusik zuwendet, klaffen da nicht bloß frequenzbedingte Abgründe, sie scheinen beim Hörer zusätzlich existentiellen Schwindel verursachen zu sollen. Stöwe stattet seinen IDM-Kosmos gern mit fast schon barock gestalteten Effekten aus, die seine Tracks in allerlei Farben funkeln lassen – die Musik von Anstam ist von stummer Mitteilsamkeit, könnte man sagen. Insofern ist es konsequent, dass Stöwe für sein drittes Album die expressiven Möglichkeiten der Sprache hinzunimmt und sich selbst ans Mikrofon stellt. Dazu passend lautet der lakonische Titel Names, geht es hier doch, im Unterschied zu den beiden vorangegangenen Alben, in sehr elementarer Weise um das Benennen von Dingen mit Worten.

Die Stimmungen, die Stöwe dabei hervorruft, orientieren sich in vielerlei Hinsicht am romantischen Pessimismus, der in diversen Spielarten des Synthiepop der Achtzigerjahre zu finden ist. Depeche Mode mögen, bewusst oder unbewusst, Pate gestanden haben. Stöwe kombiniert nuancierte Klangschichten und Drumcomputer mit einem kontrollierten Pathos in seiner Stimme, die man vielleicht nicht direkt mit der Martin Gores oder gar der Dave Gahans vergleichen kann, die Art des Zusammenspiels von Mensch und Maschinen deutet bei ihm jedoch in eine ähnliche Richtung. Bei Anstam werden trübe, schwelgerische Akkorde allerdings nicht zwangsläufig mit stoisch pochenden Rhythmen, sondern bevorzugt mit nervös hämmernden Breakbeats unterlegt. Hier fühlt man sich stärker an jüngere Kollegen wie Tim Exile erinnert als an die immer noch omnipräsenten Achtziger.

Names ist denn auch keine Sammlung von Songs geworden, ein Gutteil der Nummern bleibt instrumental. In diesen Momenten merkt man, dass die Hinwendung zum Gesang kein Zeichen von Überdruss am rein Elektronischen ist, sondern der musikalischen Persona Anstams eine weitere Facette hinzufügt. Gleichwohl bleibt am Ende der Eindruck, Stöwe habe sich dieser Platte in nostalgischer Absicht genähert. Das Sounddesign mag überwiegend der Gegenwart – wie auch immer die gerade auf den Punkt zu bringen ist – geschuldet sein, der Geist verweilt jedoch in der Vergangenheit oder möchte in irgendeiner Form dorthin zurück. Doch das ist bei der Melancholie ja immer der Fall, selbst wenn der einstige Zustand längst unwiederbringlich verloren ist – sofern es ihn überhaupt je wirklich gab. Anstam bastelt ihn sich eben neu, und das mit Erfolg.

 

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