Review: Adem Homesongs

Warum kann das Leben, das man alleine führt, nie das »richtige« Leben sein? Darauf weiß Adem leider auch keine Antwort. Aber er kann eindrucksvoll vermitteln, wie sich das eigentlich anfühlt und anhört. Wer mal wieder so richtig voll von der Melancholie anderer Leute sein und darüber hinaus in seiner eigenen schwelgen möchte, ist hier richtig. »Homesongs« ist ein Album, dessen Schönheit man in die ganze Welt hinaustragen möchte, vor dem man aber eine recht lange kurze Zeit zurückschreckt, da eine Hingezogenheit zu diesem Album, mehr als man vielleicht möchte, von einem selbst verraten könnte. Die Intimität und Blöße, die auf »Homesongs« offeriert wird, führt mindestens die ersten drei Mal beim Hören zur Gänsehaut, ob des peinlich Berührtseins und gleichermaßen Gerührtwerdens. So ähnlich, wie das erste Mal Bonnie »Prince« Billy hören – mit geschlossenen Augen. Allerdings ohne danach das Gefühl zu haben, sich sofort eine Kugel durch den Kopf jagen zu müssen, denn »Homesongs« ist nicht ganz so negativ. Die Stimme Adems gleicht eher der Aidan Moffats, klingt ebenso klagend und zerbrechlich, auch ohne schottischen Dialekt. Auf langer Strecke wirkt sie jedoch weniger »trunken«, da Adem den Rhythmus seiner Stimme anpasst, statt wie bei Arab Strap manchmal eher die Umkehrung dessen. Überhaupt ist der Gesang auf diesem Album das zentrale Maß aller Dinge. Denn die vermutlich deshalb auch des Öfteren eher spärliche musikalische Untermalung verhält sich auf »Homesongs« wie die Illustration einer Geschichte, statt den Gesang lediglich als zusätzliches Instrument einzubinden. Adem spricht und singt und haucht sich von Lied zu Lied, dass es eine wahre Freude ist – und man sich die ganze Zeit fragt, warum er eigentlich früher bei Fridge nicht gesungen hat, ob man solch intime Musik nur im Alleingang machen kann, und ob er nach diesem Album je wieder instrumentale Musik machen wird? Nun, ein neues Fridge-Album ist jedenfalls geplant. Wir werden hören. Adem.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 29.03.2004

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