Purity Ring Another Eternity

Auf Purity Rings zweitem Langspieler Another Eternity ist der Albtraumpop Tagtraumpop mit demselben Hang zur Überproduktion gewichen.

Das Albumcover kündigt es an: Hier hat eine Verschiebung vom Düster-Obskuren hin zum Pfirsichfarbenen stattgefunden. Die harten Farbkontraste von Purity Rings Debütalbum Shrines, die märchenhaft gezeichnete Albtraumszenerie sind einem transzendenten, weiß-geäderten, kreisförmigen Etwas gewichen. Darunter hängt, im Schwebezustand, eine Fee.

Das Duo der kanadischen Sandkastenfreunde Corin Roddick und Megan James veröffentlichte Shrines im Jahr 2012 fast einen Wimpernschlag zu spät, um sich noch problemlos neben dem nachtschattigen Nightmare-Pop geistesverwandter Künstler wie Grimes, d’Eon oder Austra einzureihen. Hypnagogisch, metaphysisch, dampfig: Das waren die Stichworte des Hexenjahres 2012, trotzdem schien der süß-saure Sound von Purity Ring auf Albumlänge eben nicht so richtig losdampfen zu wollen. Klar, der Bass dröhnte mit dem idealen Anteil an R’n’B-Stolperfallen, der Laptop surrte glasmurmelhaft, auch die Nebelmaschine lief auf Hochtouren, doch der flow blieb zäh und der spirituelle feel gleich komplett aus.

Another Eternity will, ähnlich wie Shrines, eines klarstellen: Diese Musik schöpft aus einem ätherischen Bereich des Jetzt, ist hochmodern, das aber auf nahezu epigonale Art. Der Albtraumpop ist Tagtraumpop mit demselben Hang zur Überproduktion gewichen: Die erste Single-Auskopplung »Push Pull« ist ultraglatt, die Hooklines winden sich sirenenhaft auf einem warmen Synthiebett. »Stranger Than Earth« beginnt Dub-dominiert in gedrosselter Fever-Ray-Manier, steigert sich dann aber schnell zu einem hallenden Defilee von Stadionbeats und klatschender Stimmungsmache. »Bodyache« bezirzt als süße Reverie mit klimpernder Elektroharfe und schwingendem Low-rider-Bass und könnte genauso gut aus der Feder von Icona Pop stammen, besonders, wenn Megan James in vernuschelter Obertonlage skandiert: »I, I, I lied, now I’m lying awake / I, I, I cried til my body ached.«

Tatsächlich wird das ästhetische Konzept von den esoterisch verklärten Lyrics zusammengehalten, die James im Stil der Confessional Poetry allesamt ihrem Tagebuch entnimmt. Irgendwo zwischen gespenstischen Schimären und Empfindsamkeit entfernt sich diese Poesie aber kaum von jener teenage angst, die auch das erste Album dominierte. So klingt Another Eternity letztendlich genauso hübsch und verspielt wie zuvor das Debüt, legt vielleicht sogar noch ein Quäntchen mehr an Hit- und adoleszentem Identifikationspotenzial frei. Der richtige feel mag sich aber auch in Purity Rings neuem Pastell-Outfit nicht so richtig einstellen.

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