Prurient

»Arrowhead« ist das bislang radikalste Werk des New Yorker Noise-Musikers Dominik Fernow. Stellen seine aktuellen Arbeiten eine Auseinandersetzung mit der Fusion von Noise und melodischen Elementen dar – mysteriöse Synthesizer-Harmonien, die in dichte Lärmwolken eingearbeitet werden und in ihrer Machart an die unheiligen Experimente des Black Metals erinnern – so handelt es sich bei »Arrowhead« um drei ältere, vor vier Jahren entstandene Kompositionen. Bezeichnend ist hierbei die Sparsamkeit in der Wahl des musikalischen Materials.

    Fernow evoziert einen rohen Minimalismus, indem er ausschließlich Mikrofon-Feedbacks, Perkussionsinstrumente und seine Stimme benutzt. Das Eingangsstück »Sternum« versinnbildlicht dieses klangliche Wagnis und unterzieht den Begriff ›Hören mit Schmerzen‹ einer radikalen Revision. Prurients Musik wird zu einem qualvollen Hörerlebnis, hervorgerufen durch einen statischen Feedback-Sound, der von zufälligen rhythmischen Schlägen durchkreuzt wird. Hinzu kommen Fernows Vocals, die mal beklemmend flüstern und im zweiten Stück »Ribcage« in voller Intensität gegen die mittlerweile chaotisch aufbrausenden Feedback-Stürme anschreien – ein unzähmbares Kräftespiel, das der asketischen Klanglichkeit des Openers diametral entgegensteht. Im letzten Teil »Lungs« verschieben sich dann die musikalischen Koordinaten. Die Rhythmik gewinnt – obgleich ihrer metrischen Verunreinigen – eine konstante Form und wird augenblicklich von einer rauschenden Lärmschicht eingedeckt, die alsbald das gesamte Geschehen dominiert und die Platte abrupt beendet.

    Interessant ist festzustellen, dass alle drei Stücke auf der archaischen Gewalt der Rückkoppelung basieren, die in jeweils unterschiedlichen klanglichen Ausprägungen erscheint und sowieso ein zentrales Moment in Fernows Œuvre darstellt – sie repräsentiert eine akustische Flagellation.

Weitere Anmerkungen zu Prurient finden sich in der aktuellen Folge der »Geräuschmusik«.

LABEL: Editions Mego

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 28.07.2008

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