Porches „The House“ / Review

Die Musik zur Suche: Porches bezieht sich auf The House auf die erste Hälfte der Achtziger, kreuzt Synth-Pop, New Wave und Funk, entwickelt seine Songs aber aus dem unübersichtlichen Hier und Jetzt.

Früher war nicht alles besser, sondern alles war so gut oder schlecht, wie es eben früher war und jetzt auch ist. Warum spürt man als Zeitzeuge der frühen Achtziger, der damaligen gesellschaftspolitischen Fragen und ihrer Verarbeitungen oder Prägungen durch Pop, heute wieder ein seltsames Gefühl von Angst und Utopie? Weil das Leben halt so ist? Spricht man heute mit jungen Menschen, die sich für Pop interessieren, zeigt sich: Diese Leute suchen inmitten der Entfaltungen der Postmoderne ihren Weg und konstatieren, dass eben diese komische Postmoderne erst bei ihrer Generation so richtig angekommen ist. Zwischen Wahlfreiheiten und Unsicherheiten suchen sie. Und das tue ich auch – immer noch.

Aaron Maine aus New York ist Porches und liefert die Musik zur Suche. Denn er bezieht sich zwar auf die erste Hälfte der Achtziger, kreuzt Synth-Pop, New Wave und Funk, entwickelt seine Songs aber aus dem unübersichtlichen Hier und Jetzt, Auto-Tune inklusive, was auf Dauer etwas nerven kann. Sein zweites Album The House ist nicht nur Zuhause, sondern auch ein Haus voller Nostalgie und Hoffnung. Da sind sie wieder, die Thatchers, Reagans, Kohls, da sind aber auch Heaven 17, Ultravox mit John Foxx, The Human League, Blancmange und die Acts des fantastischen belgischen Labels Les Disques Du Crépuscule. Soulige Wärme vertreibt bei Porches deren einstige Kühle. Und über allem schwebt das Prefab-Sprout-Gefühl von damals.

Schmeißen wir jeden Kitschverdacht über Bord.

Sehnsucht kann traurig sein. Kann aber auch glücklich machen, denn wenn man sie spürt, wird eben auch auf etwas Begehrenswertes referiert. Maine sucht nach Isolation ebenso wie Offenheit in seinem Haus voller Ideen und Gäste. Zu diesen gehören (Sandy) Alex G, Blood Orange und Maines Vater. Chris Coady (Beach House, Slowdive, TV On The Radio) hat die 14 meist kurzen Songs gemischt, aber trotz dieser Referenzen ist The House weder Shoegaze noch Dream-Pop oder Post-Punk. Porches ist weicher, spielerischer. Maines Musik tröstet, auch wenn der Abgrund gar nicht so nahe scheint. Genau das taten Prefab Sprout auch. Schmeißen wir also jeden Kitschverdacht über Bord, finden wir zu uns selbst. Maine und seine Lieder begleiten dabei behutsam und können doch zu großen Gefühlen führen. Ich wurde selten so sanft umgehauen.

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