Phall Fatale »Moonlit Bang Bang« / Review

Moonlit Bang Bang pendelt sich zwischen gelungener Fusion und frustrierender Konfusion ein.

Das Aufweichen von Grenzen und das Fusionieren verschiedenster, ehemals als unvereinbar geltender Genres gehören zu den Selbstverständlichkeiten der Popkultur. Paaret und mehret euch, Speed Metal und Kawaii-Pop, Trap und Klassik, Schlager und Breakcore, auf dass ihr innovative Früchte tragen möget! Diesen Ruf scheint auch das Schweizer Quintett Phall Fatale vernommen zu haben, das bereits mit der Liste seiner Einflüsse in die Untiefen eines akuten Falls von Hybridisierungswahn blicken lässt: Right Said Fred stehen da neben Iannis Xenakis, Nina Simone neben Portishead, CocoRosie neben Albert Ayler. Das technische Know-how, um diese einzelnen Versatzstücke zu meistern, haben sich die profilierten Musikerinnen und Musiker mit Jazz- und Hardcore-Noise-Background über Jahrzehnte in diversen Kollaborationen mit unter anderen John Zorn, Evan Parker und Peter Brötzmann erarbeitet.

In der Tat: Spielen kann die ungewöhnliche Konstellation aus einem Drummer, zwei Kontrabassisten und den Vokalistinnen Joana Aderi und Joy Frempong fast alles – und genau das ist das Problem. Beim ersten Durchgang klingt Phall Fatales von Ex-Swans-Mitglied Roli Mosimann produzierter Zweitling exakt nach dem Chaos, das die Vorahnung heraufbeschwört. Das Eröffnungsstück »The Girl, The Beat« trapst zwischen synkopischen Beats auf dubbig angehauchtem Rhythmus in Richtung einer kohärenten Indie-Pop-Nummer, die ein wenig nach den Slits anmutet. Nur minus Dreck, Riot und Augenzwinkern. Fatal für eine Band, die sich – um’s noch ein wenig komplizierter zu machen – dem Postpunk zugehörig fühlt. Und dann wird’s wild: »Sugar Drops« setzt bei Free Jazz an und landet nach Spoken-Word-Galopp irgendwo im Metal (»Sugar sugar drop sugar sugar / I need more choccer« – eine ironische Anspielung auf den Babymetal-Hit »Gimme Chocolate?«). »Ring The Bell« als polyvokales Pingpong erinnert an das japanische Freak-out-Duo Afrirampo, »Funny Money« spielt mit Elementen chinesischer Folklore, und am Ende gibt’s noch ein thrashiges Cover von Jimi Hendrix’ »Manic Depression« obendrauf.

Wenn einem der Kopf zu diesem Zeitpunkt noch nicht explodiert und man gewillt ist, die Irrfahrt erneut anzutreten, fügt sich das eine oder andere auf diesem Album schließlich doch zusammen. Besonders dann, wenn sich die Band auf Reduktion besinnt und Improvisation als Kitt und nicht als Fundament benutzt; wenn das stimmliche Doppelgespann von Aderi und Frempong in mal verträumter, mal apathischer Entrücktheit erstrahlt und die Hörer in eine Zitteraal-Fabelwelt entführt (»Electric Eel« als Höhepunkt des Albums). Und so pendelt sich Moonlit Bang Bang am Ende ziemlich genau zwischen gelungener Fusion und frustrierender Konfusion ein.

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