Paul Weller Saturn’s Pattern

Konventionell, aber immer noch gültig: Paul Weller arbeitet weiter unter der Prämisse »Rock«, schafft es dabei aber stets, die eigene Relevanz im temporalen Kontext zu reflektieren.

»Get up in the mind / So get up / The time is all yours!« Diesen Appell lässt sich Paul Weller von einem Background-Chor im Refrain von »Saturn’s Pattern« vorsingen, dem Titelstück seines zwölften Soloalbums, die Werke von The Jam und The Style Council eingerechnet ist es sein 24. Studioalbum. Weller greift den emphatischen Imperativ kurz darauf selbst auf, und diese Aufbruchstimmung aus dem Mund eines Mannes des Jahrgangs 1958 könnte durchaus auch skeptisch machen. Doch der Alterungsprozess des ewigen Dandys und Britpop-Wegbereiters scheint seit einiger Zeit zu stagnieren. Weller, immer noch working class hero, außerdem leidenschaftlicher Plattensammler und Teilzeit-Modedesigner, hat sich im Laufe der Jahre einen geradezu jugendlichen Habitus der Neugierde bewahrt, mit dem er – im Gegensatz zu einigen seiner Altersgenossen – weniger sein eigenes Schaffen nostalgisch aufbereitet und sich in der Rolle des angry old man verklärt, als sich vielmehr an den geöffneten Archiven und am Gedächtnis des Pop bedient und daraus ein eklektisches Konglomerat frischer Sounds schöpft.

Paul-Weller-Alben der jüngeren Vergangenheit changierten zwischen psychedelischen Stimmungen, Dub-infizierter Rhythmik und krautigen Repetitionen – Muster, die sich auch auf den neun Songs von Saturn’s Pattern wiederfinden. Und trotzdem gelingt es Weller nicht zuletzt aufgrund seiner ungebremsten Begeisterungsfähigkeit einmal mehr, sich neu zu erfinden. 2015 jongliert der modfather mit Genres wie Glam- oder Space-Rock und bricht zugleich mit ihren Konventionen, er lotet elektronische Klangspektren sowie die Möglichkeiten seiner Instrument- beziehungsweise Effektpalette aus, zeigt Ideen auf, nur um sie gleich wieder zu verwerfen. Er ist gewissermaßen lost im nach vorne blickenden Retro-space oder, wie der Künstler es in einem Songtitel selbstbewusst ausdrückt: »I’m Where I Should Be«.

Bands der (Prä-)Post-Punk-Ära wie This Heat oder The Pop Group brauchten ihrerzeit nur zwei oder drei Alben für die Verarbeitung ähnlicher Einflüsse – Weller macht daraus quasi eine Lebensabschnittsaufgabe unter dem immer noch gültigen und eher konventionellen Vorzeichen »Rock«. Doch das kann man ihm nicht verübeln, denn er schafft es, dabei stets die eigene Relevanz im temporalen Kontext zu reflektieren – und auch den eingangs erwähnten Aufruf zu beherzigen.

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