The New Pornographers Brill Bruisers

Völlig sorgenfrei legen The New Pornographers mit Brill Bruisers eine Partyplatte vor, die wohl zum letzten Mal die große Pop-Flagge schwingt.

Prinzipiell erst mal Glückwunsch an jeden, der etwas Besseres zu tun hat als Popmusik. Immer öfter gehören auch The New Pornographers zu diesen Menschen, in ihrem Fall ist das allerdings ein bisschen ärgerlich. Die achtköpfige Band aus Vancouver gilt als Supergroup, obwohl sie inzwischen nur noch das drittgrößte Projekt im eigenen Dunstkreis ist. Dan Bejar hat sich als Destroyer zum Heilsbringer des plastikverkleideten Saxofon-Soul aufgeschwungen, Neko Case ist als Hüterin des traditionsbewussten Folkrock erfolgreich wie nie. Selbst Carl Newman, im Zweifel Frontmann der New Pornographers, hat in den letzten zehn Jahren genauso viele Soloalben wie Supergroupplatten gemacht.

Neue Musik dieser vielbeschäftigten Band ist also eine automatische Meisterleistung, zumindest in logistischer Hinsicht. Zuletzt täuschte schon das Zustandekommen der Alben Together (2010) und Challengers (2007) darüber hinweg, dass den New Pornographers der Schwung abhanden gekommen war. Dem überschäumenden Power-Pop ihrer frühen Jahre setzten sie eine vermehrt auf die Feinheiten fokussierte Version ihrer selbst entgegen, Konzerte spielten sie nur noch als Rumpftruppe, Newman plus wer auch immer gerade konnte. Brill Bruisers beendet nun die längste Veröffentlichungspause in der Geschichte der Band und klingt zugleich wie der Anfang einer noch viel längeren Pause. Ein letztes Mal, so zumindest das Bauchgefühl, treffen alle Schlüsselfiguren zusammen, vereint in der Absicht, ihrer Sache ein adäquates Ende zu bereiten.

Man könnte aber auch weitergehen und sagen: Brill Bruisers klingt wie das letzte Popalbum überhaupt. Noch einmal holen The New Pornographers alles raus aus Strophen, Bridges, Refrains und ihrem Harmoniegesang. Ein möglicherweise letztes Mal operieren sie einzig und allein im Regelrahmen des drei- bis vierminütigen Popsongs, danach wird ihn kein Mensch mehr benötigen. Den alten Schwung findet die Band damit nicht wieder, Achtungserfolge erzielt sie aber doch, wenn Bejar den angenehm hirnverbrannten und schlecht getarnten Schlager »War On The East Coast« beisteuert oder Case mit »Champions Of Red Wine« zu Neunzigerjahre-Spacepop-Loops eines ihrer immer willkommenen Trinkerinnenlieder singt.

Vor der Veröffentlichung von Brill Bruisers hat Carl Newman gesagt, sein Leben sei derzeit völlig sorgenfrei, seine Band habe deshalb eine Partyplatte machen wollen. The New Pornographers feiern damit sich selbst und mehr noch Pop an sich als unendlich variierbare, immer verlässliche Musik des reinen Herzens. Folgen wir also abschließend einer großen Poptradition und widersprechen uns selbst: Beglückwünschen muss man jeden, der nichts Besseres zu tun hat als Popmusik.

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