Eindeutige Signale

Men Who Am I To Feel So Free Video Antony Hegarty StreamVor einigen Tagen fragte @BigTua auf Twitter: »Die Spex ist ja inhaltlich ein durchaus interessantes Magazin. Aber: Warum wollen die denn ›unbedingt‹, dass alle schwul werden?« Eine amüsante wie dämliche Frage, die Antwort darauf ist sehr einfach: Wir wollen gar nicht, dass alle schwul werden, aber wir haben auch rein nichts gar dagegen. Einige der besten Popsongs der Musikgeschichte stammen schließlich von schwulen, lesbischen oder sonstig queeren Künstlern, die ihrerseits das Gender-Thema behandeln. Siehe jüngst Lady GaGa, siehe aber auch MEN, die Elektropop-Band um die frühere Le-Tigre-Musikerin JD Samson, die ihrer kämpferischen Hymne auf queere Selbstermächtigungen soeben ein neues Musikvideo verpasst haben.

    Vor wenigen Tagen ist die dritte MEN-Single »Who Are We to Feel So Free« aus ihrem Album »Talk About Boy« auf IAMSOUND Records erschienen, begleitet wird das Disco-meets-Postpunk-Original von einem Gastbeitrag seitens Antony Hegarty sowie Remixes von French Horn Rebellion, Tomahawk und Filrouge. Das Konzept des Musikvideos zu »Who Am I to Feel So Free« erinnert nun an die beiden Kunstformate »Ikono.tv« und »Google Art Project«: Ausgehend von Caspar David Friedrichs Gemälde »Der Wanderer über dem Nebelmeer« zoomt die Kamera langsam auf den Rücken von JD Samson heran, gibt neue Blickwinkel und Zoomstufen frei. In der Drehung Samsons folgt schließlich die erneute »Sichtbarmachung queerer Identitäten«, wie Oskar Piegsa in Spex #327 anlässlich der »Limited Edition Demo EP« schrieb: Ein Leuchtturm zeigt eindeutige Signale.

    Um die Eingangs gestellte Frage noch einmal aufzugreifen, müsste es wohl eher lauten: Warum wollen Sony Music bzw. das amerikanische Tochterlabel IAMSOUND eigentlich, dass wir uns im Rest der Welt alle brav hetero fühlen? Dass man nämlich einen Webproxy verwenden muss, um die eigene IP-Adresse und damit die globale Herkunft zu verschleiern, nur um so das Musikvideo auf YouTube ansehen zu können, das nach zwei Tagen im Netz Dank Geo-Blockierung gerade einmal rund 3100 Menschen haben ansehen können, ist schon erstaunlich. Vermutlich ist es wieder einmal nur die einfache Erklärung mit dem Thema Urheberrecht, was aber in diesem Fall dafür sorgt, dass ein queerer Beitrag für einen Großteil der weltweiten Netz-Öffentlichkeit unzugänglich bleibt.

 

VIDEO: MEN – Who Am I to Feel So Free feat. Emily Roydson


STREAM: MEN – Who Am I to Feel So Free feat. Antony Hegarty

MEN Live:
18.02. CH-St. Gallen – Palace
19.02. CH-Schaffhausen – TapTap
20.02. CH-Düdingen – Bad Bonn
24.02. A-Wien – Flex
25.02. Hamburg – Café Keese
26.02. Berlin – Comet Club

2 KOMMENTARE

  1. In welchem Kontext hat der Tua das denn gefragt? Der ist nämlich normalerweise ziemlich amüsant, aber nicht oft dämlich. Vielleicht geht es ihm da aber auch nur genauso wie mir und er findet, dass die ganze Gender-Thematik im Moment ziemlich übertrieben viel vertreten ist. Da gibt’s nun wirklich interessanteres. Und dass die besten Popsongs von Schwulen oder Lesben stammen, halte ich erstmal für eine ziemlich gewagte These (vor allem wenn man die dann auch noch mit GaGa oder MEN belegt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here