Kurzgeschichte in Lack und Latex

Und schon wieder sind drei Jahre vergangen: Im Sommer 2007 erschien mit »Our Love to Admire« das dritte Album der New Yorker Band Interpol, am Ende des Jahres wählten die Spex-Leser die Platte zum sechstbesten Album des Jahres. Wo wird also am Jahresende »Interpol«, das neue, selbstbetitelte Album landen? Die Platte ist bereits eingespielt, dem Aufnahmeende folgten diverse Besetzungswechsel, die Vorab-Single »Lights« wurde samt Musikvideo veröffentlicht und im November kommen die teils neuformierten Interpol für zwei Shows nach Deutschland.



    Schon im Frühjahr meldeten Interpol auf ihrer Homepage, dass Bassist Carlos D zwar am Songwriting und den Aufnahmen beteiligt gewesen sei, sich nach Fertigstellung des Albums aber auf eigene Projekte konzentrieren wolle – und Interpol noch vor der gemeinsamen Tour mit U2 verließ. Ob musikalische oder persönliche Differenzen letztlich den Ausschlag für seinen Ausstieg gaben, ist nicht bekannt. Gesichert ist hingegen mittlerweile, wer sich vorerst für die Interpol-Shows den Bass umschnallt: David Pajo, zuvor bei Slint und als Live-Musiker der Yeah Yeah Yeahs aktiv, heuerte ebenso bei Interpol an, wie Secret-Machines- und School-Of-Seven-Bells-Mann Brandon Curtis, der Interpol am Backing-Gesang und dem Keyboard verstärken wird. Wie diese neu formierte Band bei ihren beiden für November angesetzten Shows harmonieren wird, bleibt abzuwarten – andererseits hat man es hier mit ausnahmslos erfahrenen Musikern zu tun.

    Musikalisch scheint sich derweil nicht zuviel bewegt zu haben: Die sechsminütige Vorab-Single »Lights« verschenken Interpol auf ihrer Homepage, das zu dem langsam gespielten, düsteren Scglagzeug- und Basslastigen Song gehörige Video gibt sich kalt und designfetischistisch. Die Kurzgeschichte des Fotografen und Regisseurs Charlie White spielt im Inneren eines Atlaskäfers, zu sehen sind zwei halb in Lack und Latex gekleidete »Kurtisanen«, die bei einer dritten Frau mittels chirurgischem Besteck eine PheromonErnte« vornehmen. Was genau im Inneren des Käfers »geerntet« (Zitat: Abspann-Credits) wird oder warum es für diese schwer durchschaubare Sci-Fi-Fetisch-Design-Hormon-Cumshot-Geschichte in schwarz-weiß überhaupt das Setting eines Chalcosoma Caucasus bedarf, wissen wohl nur Band und Regisseur.

    Das neue Album »Interpol« erscheint am 3. September auf dem bandeigenen Label Soft Limit bzw. auf Cooperative Music.

 


VIDEO: Interpol – Lights

Interpol Live:
20.11. Berlin – Tempodrom
22.11. Dortmund – Westfalenhalle 2

3 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here